Ausschreibungstext Roboter: LV-Vorlage für KRITIS
Ausschreibungstext Roboter mit Pflichtbestandteilen, Wertungskriterien und RaaS-Vertragsklauseln. Direkt nutzbare LV-Bausteine für KRITIS-Betreiber.
Ein belastbarer Ausschreibungstext für Sicherheitsroboter trennt drei Dinge sauber: das Mietverhältnis, die technische Mindestleistung und die operative Servicequalität. Wer diese drei Ebenen vermischt, produziert ein Leistungsverzeichnis, das von RaaS-Anbietern entweder nicht angeboten oder mit Risikoaufschlägen versehen wird. Dieser Beitrag liefert die LV-Bausteine, die ein Einkaufs- oder Sicherheitsleiter direkt in das eigene Vergabedokument übernehmen kann.
Ausschreibungstext Roboter: Struktur und Pflichtbestandteile
Ein vollständiges Leistungsverzeichnis Sicherheitsroboter enthält sechs Pflichtabschnitte: Leistungsgegenstand, technische Anforderungen, Einsatzumgebung, Service Level, Wertungskriterien und Vertragslaufzeit. Fehlt einer, sind die Angebote nicht vergleichbar.
Hardware-Spezifikation und Service-Spezifikation sind getrennt zu führen. Beim Robotics-as-a-Service Modell findet keine Eigentumsübertragung statt. Die Hardware bleibt beim Anbieter. Der Auftraggeber bezieht eine Patrouillenleistung mit definierter Verfügbarkeit.
Als verbindliche Norm für mobile Serviceroboter mit physischer Mensch-Roboter-Koexistenz ist EN ISO 13482 zu zitieren. Ab Januar 2027 ist zusätzlich die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 als CE-Grundlage zu referenzieren (Anwendungsdatum gemäß Art. 52 Abs. 2 der Verordnung).
Textbaustein für den Vorspann:
"Gegenstand der Ausschreibung ist die Beschaffung einer autonomen Patrouillenleistung im Mietmodell (Robotics-as-a-Service). Eine Eigentumsübertragung der eingesetzten Hardware an den Auftraggeber ist nicht vorgesehen. Eine kalkulatorische Abschreibung beim Auftraggeber entfällt."
Für öffentliche Auftraggeber gilt die VgV oberhalb der EU-Schwellenwerte. Private Industriebetreiber können frei vergeben, sollten jedoch das Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb übernehmen.
Leistungsgegenstand präzise formulieren
Pauschalbegriffe wie "Werksgelände" sind unzulässig. Das Areal ist in Quadratmetern (Gesamtfläche) und Linienkilometern (Patrouillenstrecke) anzugeben. Beispiel:
"Patrouilliertes Areal: 84.000 m² Außenfläche, 6,2 km Patrouillenstrecke, davon 1,4 km unbefestigte Wege. Mindestens 8 Patrouillengänge pro 24 Stunden, davon 5 zwischen 20:00 und 06:00 Uhr. Routenplanung mit randomisiertem Anteil von mindestens 30 Prozent zur Vermeidung von Mustererkennung durch Angreifer."
Die Sensorik-Mindestanforderung ist explizit zu benennen. Standard sind RGB-Kamera, Audio und Thermal. LiDAR und Drohnendetektion sind risikoabhängig zu fordern. Für sensible Außenperimeter ist der QR-3 mit LiDAR und Drohnendetektion die passende Referenzklasse, für Standard-Patrouille der QR-2 für 24/7-Außenpatrouille.
Leitstellenanbindung als Klausel:
"Der Auftragnehmer stellt eine 24/7-Aufschaltung auf ein nach DIN EN 50518 zertifiziertes Sicherheits-Operations-Center sicher. Die garantierte Erstreaktionszeit auf einen Alarm beträgt unter 60 Sekunden, dokumentiert durch ein monatliches Reaktionszeit-Protokoll."
Schnittstellen sind zwingend zu nennen: ONVIF Profile T, BACnet/IP, OPC UA, REST-API. Datenhoheit gehört in den Vorspann: Speicherort EU, Auftragsverarbeitungsvertrag nach DSGVO Art. 28, Löschfrist für Bildmaterial 72 Stunden bei alarmfreiem Status.
Technische Mindestanforderungen für KRITIS-Einsätze
Für KRITIS-Beschaffungen sind die KRITIS-Anforderungen im Überblick sektoral abzubilden. Bezugsrahmen ist die BSI-KritisV.
Textbaustein technische Mindestanforderungen:
"Schutzklasse IP65 als Untergrenze für Outdoor-Betrieb. Im Sektor Energie und Wasser IP66. Betriebstemperaturbereich minus 20 bis plus 50 Grad Celsius ohne dokumentierten Leistungsabfall der Sensorik. Autonomielaufzeit mindestens 8 Stunden je Ladezyklus, automatische Rückkehr zur Ladestation ohne menschliches Eingreifen. Maximale Ladezeit 90 Minuten."
Cybersicherheit als separate Klausel:
"Der Auftragnehmer weist die Konformität zum BSI IT-Grundschutz nach. Die Datenübertragung erfolgt verschlüsselt nach TLS 1.3. Firmware-Updates sind kryptografisch signiert. Ein Penetrationstest-Bericht eines unabhängigen Dritten, nicht älter als 12 Monate, ist dem Angebot beizulegen."
Sicherheitsfunktionen:
"Redundante Notabschaltung: physischer Not-Aus-Taster am Gerät und Funkabschaltung durch die Leitstelle. Beide Wege sind unabhängig voneinander funktionsfähig. Test wöchentlich, dokumentiert."
Personenerkennung mit Falsch-Positiv-Rate unter 2 Prozent, nachgewiesen durch Feldtestprotokolle des Bieters über mindestens 30 Einsatztage (Prüfgrundlage: EN ISO 13482). Pauschale Herstellerangaben aus Datenblättern reichen nicht.
Service Level und Verfügbarkeitsklauseln
Service Level Agreements sind der häufigste Streitpunkt im RaaS-Vertrag. Sie gehören in den LV-Hauptteil, nicht in den Anhang.
Verfügbarkeitsklausel:
"Die monatliche Verfügbarkeit beträgt mindestens 98 Prozent, berechnet als Quotient aus tatsächlicher Patrouillenzeit und planmäßiger Patrouillenzeit gemäß Einsatzplan. Geplante Wartungsfenster werden nicht angerechnet, sofern sie 4 Stunden pro Monat nicht überschreiten und außerhalb der definierten Hochrisikozeiten (22:00 bis 04:00 Uhr) liegen."
Austausch und Pönale:
"Bei Totalausfall stellt der Auftragnehmer innerhalb von 48 Stunden ein funktionsgleiches Austauschgerät auf dem Auftraggebergelände bereit. Pönalstaffel: 5 Prozent der Monatsgebühr je angefangene 12 Stunden Verzug, gedeckelt auf 50 Prozent der Monatsgebühr."
Reporting-Pflicht:
"Monatliches Reporting in maschinenlesbarem Format (CSV oder JSON) zu folgenden Kennzahlen: Patrouillenkilometer, Anzahl Vorfälle nach Kategorie, Falschalarmquote, Sensorausfälle, Stromverbrauch in kWh, Verfügbarkeitsquote."
Eskalationskette mit drei Stufen und namentlich benannten Ansprechpartnern beim Auftragnehmer. Stufe 1: Schichtleiter SOC. Stufe 2: Operations Manager. Stufe 3: Geschäftsleitung. Reaktionszeiten pro Stufe definieren.
Exit-Klausel:
"Der Auftraggeber kann den Vertrag nach 24 Monaten Laufzeit mit einer Frist von 3 Monaten ordentlich kündigen. Eine Restzahlung für die Hardware entfällt. Rückgabe der Geräte erfolgt in betriebsbereitem Zustand durch den Auftragnehmer auf dessen Kosten."
Wertungskriterien und Gewichtung
Die Gewichtung steuert das Ergebnis stärker als jede Einzelklausel. Eine reine Preiswertung führt im RaaS-Modell zu Anbietern mit reduzierten Servicestufen.
Empfohlene Gewichtung:
- Preis: 40 Prozent
- Technische Qualität: 35 Prozent
- KRITIS-Referenzen: 15 Prozent
- Datenschutzkonzept: 10 Prozent
Referenzpflicht als Klausel:
"Der Bieter weist mindestens zwei vergleichbare Einsätze mit jeweils 12 Monaten Mindestlaufzeit nach. Davon ein Einsatz im DACH-Raum. Die Referenzgeber sind mit Ansprechpartner und Telefonnummer zu benennen. Der Auftraggeber behält sich Rückfragen vor."
Live-Demonstration:
"Im Rahmen des Verhandlungsverfahrens führt der Bieter auf dem Auftraggebergelände eine Demonstration über 72 Stunden im Echtbetrieb durch. Kosten trägt der Bieter. Bewertet werden Detektionsleistung, Falschalarmrate, Akkureichweite und Integration in die Leitstelle."
Cybersicherheit wird anhand BSI-Konformitätsnachweis oder gleichwertigem Prüfbericht bewertet, nicht anhand von Marketingunterlagen. Nachhaltigkeit fließt als Nebenkennzahl ein. Gemessen wird der Stromverbrauch pro Patrouillenkilometer in Wh/km.
Bieterfragen schriftlich, Antworten allen Bietern zugänglich, Frist 14 Tage vor Angebotsabgabe.
Vertragsklauseln für das RaaS-Modell
Das Preismodell ist im LV transparent zu formulieren. Hintergrund zur Struktur liefert das Dreistufige Preismodell.
Preisklausel:
"Die monatliche Servicegebühr umfasst die Bereitstellung der Hardware, alle Wartungs- und Reparaturleistungen, Software-Updates über die gesamte Vertragslaufzeit, die Betriebshaftpflichtversicherung sowie die 24/7-Leitstellenaufschaltung. Eine Aktivierungsgebühr, eine Endgerätefinanzierung oder sonstige Einmalkosten werden nicht erhoben."
Haftungsklausel gestaffelt:
"Die Haftung des Auftragnehmers ist begrenzt auf: 1 Mio. Euro je Schadensfall bei Sachschäden, 5 Mio. Euro je Schadensfall bei Personenschäden, 2 Mio. Euro je Schadensfall bei Datenschutzverstößen. Bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit gelten die gesetzlichen Bestimmungen."
Subunternehmer:
"Der Einsatz von Subunternehmern ist dem Auftraggeber vor Vertragsschluss schriftlich offenzulegen und bedarf seiner Zustimmung. Subunternehmer sind auf gleiche technische und organisatorische Sicherheitsstandards zu verpflichten."
Datenschutz als Anlage: Auftragsverarbeitungsvertrag nach DSGVO Art. 28, technische und organisatorische Maßnahmen nach Art. 32 im Anhang dokumentiert.
Vertraulichkeit:
"Die Vertraulichkeitspflicht überlebt das Vertragsende um 5 Jahre. Bei Verstoß wird eine Vertragsstrafe in Höhe von 50.000 Euro je Einzelverstoß fällig. Die Geltendmachung weitergehender Schäden bleibt unberührt."
Typische Fehler in Ausschreibungen vermeiden
Sechs Fehler tauchen in fast jedem Erstentwurf auf.
Erstens: herstellerspezifische Modellbezeichnungen im LV. Das verstößt gegen das Diskriminierungsverbot nach VgV § 31 Abs. 6. Stattdessen sind funktionale Anforderungen zu formulieren. Zulässig ist die Formulierung "vergleichbar mit Modell X, oder gleichwertig".
Zweitens: Forderung nach Eigentumsübertragung. Diese schließt RaaS-Anbieter systematisch aus und verteuert den Auftrag durch Investitions- statt Betriebsausgabencharakter.
Drittens: Pauschalfloskeln. "Aktuelle Technik" ist nicht justiziabel. Messbare Kennzahlen sind erforderlich: IP-Schutzklasse, Falsch-Positiv-Rate, Reaktionszeit in Sekunden.
Viertens: fehlende Personalersatzrechnung. Ein 24/7-Wachposten kostet nach den Vollkostenzahlen des BDSW zwischen 15.000 und 25.000 Euro monatlich (Quelle: BDSW Zahlen, Daten, Fakten). Eine vergleichbare Roboterleistung beginnt bei 3.200 Euro (interne Kalkulation Quarero Robotics, Stand Q3 2025). Diese Gegenüberstellung gehört in den Anhang. Details liefert Wachschutz Kosten im Vergleich.
Fünftens: unrealistische Übergangsfristen. Realistisch sind 8 bis 12 Wochen für Areal-Mapping, Schulung der Leitstelle und Probebetrieb. Wer 4 Wochen fordert, erhält entweder keine Angebote oder unbelastbare Mapping-Daten.
Sechstens: fehlende Mitbestimmung. Der Betriebsrat ist nach BetrVG § 87 Abs. 1 Nr. 6 bei technischen Überwachungseinrichtungen zwingend einzubinden. Eine dokumentierte Betriebsvereinbarung gehört als Anlage zum LV.
Vorlage und nächste Schritte
Eine belastbare LV-Vorlage existiert in drei Varianten: Industriepark, Logistikzentrum, KRITIS-Betreiber. Die KRITIS-Variante referenziert den KRITIS-Dachgesetz-Entwurf (Bundestag-Drucksache 20/9262) sowie die sektoralen Resilienzpflichten. Die Anpassung an Energie, Wasser, Gesundheit und Transport ist Pflicht, keine Option. Den Stand der Dachgesetzgebung fasst die KRITIS-Dachgesetz Checkliste 2026 zusammen.
Für KRITIS-Beschaffungen oberhalb der EU-Schwellenwerte empfehlen wir das Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb. Es erlaubt die Live-Demonstration. Bieter ohne KRITIS-Referenz werden im Teilnahmewettbewerb ausgeschlossen, bevor Aufwand auf beiden Seiten entsteht.
Pilotphase vor Vertragsverlängerung: 90 Tage mit definierten Abbruchkriterien. Mögliche Kriterien sind Verfügbarkeit unter 95 Prozent im Pilotmonat 2 und 3, Falsch-Positiv-Rate über 5 Prozent, mehr als zwei dokumentierte Sicherheitsvorfälle ohne korrekte Reaktion.
Quarero stellt Bietern auf Anfrage ein Referenzpaket aus drei laufenden DACH-Einsätzen zur Verfügung. Das Paket enthält anonymisierte SLA-Reports, Falschalarmstatistiken und Verfügbarkeitsnachweise über 12 Monate.
Ein Erstgespräch zur Spezifikationsabstimmung dauert 45 Minuten und ist unverbindlich. Die Terminbuchung erfolgt über das Spezifikations-Erstgespräch buchen. Bitte stellen Sie für das Gespräch das geplante Areal in Quadratmetern, die gewünschte Patrouillenfrequenz und den Sektor (KRITIS oder privat) bereit.