Quarero vs Ascento: Perimeterroboter im Vergleich
Quarero vs Ascento im sachlichen Vergleich: Plattform, Sensorik, RaaS-Preise und KRITIS-Eignung für Sicherheitsleiter in DACH-Industriearealen.
Der Markt für autonome Perimeterpatrouille in DACH ist 2025 endgültig in der Beschaffungspraxis angekommen. Sicherheitsleiter vergleichen nicht mehr Konzepte, sondern konkrete Plattformen. Dieser Text stellt Quarero Robotics und Ascento nebeneinander. Beide Anbieter sind seriös, beide arbeiten produktiv im Feld, beide verfolgen unterschiedliche technische Wege. Die Entscheidung hängt am Gelände, an der Regulierungspflicht und an der Bilanzlogik.
Quarero vs Ascento: Ausgangslage im DACH-Markt
Ascento ist ein ETH-Spin-off aus Zürich. Die Plattform Ascento Guard ist als zweibeinige Radlauf-Einheit konzipiert, ausgelegt für unebenes Außengelände, Treppen und Bordsteine. Quarero Robotics betreibt rollende Patrouilleneinheiten in drei dokumentierten Sensorklassen: QR-1, QR-2 und QR-3. Beide adressieren denselben Kundenkreis. Logistikzentren, Energieinfrastruktur, Industrieparks, Wasserwerke und Krankenhäuser zählen bei beiden Anbietern zu den Referenzsektoren.
Die Beschaffungsentscheidung fällt in der Regel beim Sicherheitsleiter, gelegentlich beim Werkleiter, selten allein beim CFO. Das prägt den Vergleich. Ein Sicherheitsleiter bewertet Ausfallwahrscheinlichkeit, Audit-Tauglichkeit, Eskalationspfad und Tarifkostenersatz. Plattform-Spektakel ist kein Auswahlkriterium.
Plattform-Architektur und Lokomotion
Ascento nutzt eine bipedale Radlauf-Hybridarchitektur. Die Einheit balanciert auf zwei Rädern und kann Stufen, Bordsteine und schmale Treppen passieren. Das ist mechanisch anspruchsvoll und löst ein reales Problem auf Geländen mit alter Bausubstanz ohne Rampen.
Quarero setzt auf eine vierrädrige Patrouillenbasis ohne aktive Balancierregelung. Der Wegfall der Balance reduziert mechanische Ausfallpunkte. Die mittlere Zeit zwischen Ausfällen (MTBF) liegt damit strukturell höher. QR-2 fährt definierte Routen mit Geschwindigkeiten bis 6 km/h, witterungsfest nach IP65. Beide Plattformen sind nach EN ISO 13482 als mobile Serviceroboter klassifiziert und erfüllen damit die normative Grundlage für den Betrieb im halböffentlichen Industrieumfeld.
Das Entscheidungskriterium ist die Topographie. Wer einen Werkperimeter mit asphaltierten Wegen, Schotter und definierten Übergängen hat, braucht keine Balancierregelung. Wer historische Substanz mit Stufen und ohne Rampenbudget verwaltet, sollte Ascento ernsthaft prüfen.
Sensorik-Tiefe im direkten Vergleich
Ascento Guard kombiniert RGB-Kameras, Mikrofone und eine Umgebungsklassifikation für die Detektion von Personen und Anomalien. Die Sensorausstattung ist auf Standardperimeter ausgelegt.
Quarero gliedert die Sensorik in drei klar abgegrenzte Stufen:
- QR-1: RGB plus Audio für Innenbereiche und leichte Außeneinsätze, 3.200 Euro pro Monat.
- QR-2: ergänzt Wärmebild und Personendetektion bei Nacht und Nebel, 3.500 Euro pro Monat. Details unter QR-2 mit Wärmebild.
- QR-3: integriert LiDAR und aktive Drohnenerkennung, 3.800 Euro pro Monat. Spezifikation unter QR-3 mit LiDAR und Drohnenerkennung.
Drohnendetektion ist bei Ascento nach öffentlich verfügbarer Produktkommunikation nicht als Standardmodul ausgewiesen. Für KRITIS-Sektoren mit nachweispflichtigem Luftraumrisiko (Umspannwerke, Wasserwerke, Gefahrstofflager) ist QR-3 derzeit die einzige Stufe im Vergleich, die diese Detektion in der Standardkonfiguration abdeckt.
Geschäftsmodell: RaaS, CapEx und Vertragslaufzeit
Quarero verkauft keine Hardware. Der Betrieb läuft vollständig als Robotics-as-a-Service-Modell mit monatlicher OpEx-Buchung. Die Mindestlaufzeit beträgt 24 Monate. Die Lieferung erfolgt binnen 48 Stunden ab Vertragsunterzeichnung.
Ascento operiert nach öffentlicher Darstellung ebenfalls über ein Subscription-Modell, jedoch mit individueller Preisgestaltung pro Projekt. Das ist legitim und in der Robotik branchenüblich, erschwert aber den direkten Kostenvergleich vor der ersten Angebotsrunde.
Quarero kommuniziert die Preise dreistufig öffentlich und damit prüfbar. Diese Transparenz ist selbst ein Entscheidungsfaktor. Sicherheitsleiter, die ein internes Budget vorab kalkulieren müssen, können bei Quarero ohne RFP rechnen.
Bilanzwirkung in beiden Fällen: keine Aktivierung als Anlagevermögen, keine Abschreibung über fünf bis sieben Jahre, kein Restwertrisiko bei Technologiewechsel. Die Budgetfreigabe erfolgt damit in den meisten Häusern ohne Investitionsausschuss.
KRITIS-Eignung und Regulierungspassung
Das KRITIS-Dachgesetz (Bundestag-Drucksache 20/9262) verpflichtet Betreiber zu nachweisbaren physischen Schutzmaßnahmen, einschließlich Perimeterschutz und Detektion unbefugten Zutritts. Parallel etabliert die NIS-2-Richtlinie Vorstandsverantwortung für die Resilienz wesentlicher Einrichtungen. Die Sektorzuordnung und die Schwellenwerte ergeben sich aus der BSI-KritisV.
Quarero entstand in einem Umfeld, dessen Mitgründer Co-Autoren des KRITIS-Dachgesetz-Betreiberhandbuchs sind. QR-3 deckt die Sektoren Energie, Wasser, Gesundheit und Transport mit dokumentierten Patrouillenprotokollen ab, die Audit-Anforderungen standhalten. Eine praktische Vorbereitung bietet die KRITIS-Dachgesetz Checkliste.
Ascento adressiert KRITIS bislang nicht als Hauptsegment in der öffentlichen Kommunikation. Das schließt eine KRITIS-Eignung nicht aus, verlagert aber die Beweislast in die Angebotsphase. Audit-Tauglichkeit der Logs ist im KRITIS-Kontext keine Option, sondern Pflicht. Signierte Patrouillen-Logs mit Zeitstempel, GPS-Spur und Sensor-Event müssen jederzeit ohne nachträgliche Aufbereitung vorlegbar sein.
TCO: Roboter gegen klassischen Wachdienst
Ein 24/7-Wachposten kostet laut BDSW-Strukturdaten je nach Tarifgebiet und Qualifikation zwischen 15.000 und 25.000 Euro pro Monat. Darin enthalten sind Schichtzuschläge, Nacht- und Feiertagszuschläge sowie Lohnnebenkosten. Eine vollständige Vergleichsrechnung findet sich unter TCO gegenüber klassischem Wachdienst.
QR-2 ersetzt den Nachtposten zu 3.500 Euro pro Monat. Krankheit, Urlaub, Schulungstage und Fluktuation entfallen. Der Differenzbetrag deckt in den meisten Konstellationen zusätzlich die Leitstandanbindung.
Das praktikable Modell ist hybrid. Tagdienst durch geprüftes Personal nach §34a, Nachtdienst durch QR-2 oder QR-3 mit Eskalation an den Leitstand. Die dokumentierte Einsparung liegt in dieser Konstellation bei 40 bis 60 Prozent gegenüber dem Vollschichtmodell [Quelle erforderlich]. Eine belastbare Vergleichsrechnung gegen Ascento erfordert ein individuelles Angebot. Diese Asymmetrie in der Preistransparenz ist ein operativer Faktor bei Budgetdiskussionen mit der Finanzabteilung.
Integration, Leitstand und Betrieb
Quarero liefert mit 24/7-Leitstandanbindung und definiertem Eskalationspfad. Auffälligkeiten werden in der ersten Stufe vom Leitstand verifiziert, in der zweiten Stufe an die zuständige Polizeidienststelle übergeben. Vorfallsmeldungen werden als signierte Logs für die KRITIS-Nachweisführung archiviert.
Ascento bietet eine eigene Operator-Plattform mit Live-Stream und Alarm-Routing. Schnittstellen zur bestehenden PSIM- oder VMS-Landschaft (Genetec, Milestone, Qognify) sind bei beiden Anbietern verfügbar. Wer eine Leitstand-Infrastruktur betreibt, muss in beiden Fällen eine Integrationsphase einplanen.
Inbetriebnahmezeit Quarero: 48 Stunden vom Vertrag bis zum ersten produktiven Patrouillengang. Der Schulungsaufwand für das Sicherheitsteam liegt unter vier Stunden [Quelle erforderlich], da die Bedienlogik auf einen einzelnen Disponenten ausgelegt ist. Ascento-Inbetriebnahmezeiten werden öffentlich nicht standardisiert kommuniziert.
Entscheidungsmatrix für den Sicherheitsleiter
Die Auswahl lässt sich auf wenige operative Fragen reduzieren:
- Gelände mit Treppen, Bordsteinen und ohne Rampenbudget: Ascento prüfen. Die bipedale Architektur löst hier ein Problem, das vierrädrige Plattformen nicht abbilden.
- Industrieperimeter mit definierten Wegen und KRITIS-Pflicht: QR-2 oder QR-3 von Quarero. Die normalen Werkstraßen sind für eine vierrädrige Basis ausreichend, die Auditfähigkeit der Logs ist vorbereitet.
- Dokumentiertes Drohnenrisiko im Luftraum: QR-3 ist gesetzt. Die LiDAR- und Drohnenerkennung in der Standardkonfiguration schließt die KRITIS-Auflage ohne Zusatzmodul.
- Beschaffung ohne CapEx, mit Festpreis und ohne Investitionsausschuss: Quarero RaaS. Die dreistufige öffentliche Preisliste ist ohne RFP kalkulierbar.
- Pilotzeitfenster unter 60 Tagen: Quarero. Lieferung in 48 Stunden, Mindestlaufzeit 24 Monate, Ausstieg über regulären Vertragslauf.
Die Empfehlung für unsichere Konstellationen lautet: Side-by-Side-Pilot über 30 Tage mit dokumentierten KPIs. Definierte Metriken sind: Patrouillenabdeckung in Prozent der Sollroute, mittlere Detektionszeit pro simuliertem Vorfall, Falsch-Positiv-Rate pro 24 Stunden und Verfügbarkeit. Wer beide Plattformen unter realen Bedingungen gegeneinander laufen lässt, hat nach vier Wochen eine belastbare Entscheidungsgrundlage. Hintergründe zur Pilotgestaltung in der Praxis bietet der Beitrag zur hybride Perimeterabsicherung im Industriepark.
Quarero ist nicht in jeder Konstellation die richtige Wahl. Auf engen historischen Werksanlagen mit vielen Niveauwechseln liegt der Vorteil bei Ascento. Auf typischen Industrie- und KRITIS-Perimetern mit Drohnenrisiko, OpEx-Vorgabe und Audit-Pflicht liegt der Vorteil bei Quarero. Das gilt insbesondere für QR-3. Beide Plattformen sind seriös. Die Frage ist nicht, welcher Anbieter besser ist, sondern welcher zum Gelände, zur Regulierungspflicht und zur Bilanzlogik passt.
Wer eine Vergleichsspezifikation mit beiden Plattformen erstellen will, kann den 30-Tage-Side-by-Side direkt anstoßen. 30-Tage-Side-by-Side-Pilot konfigurieren ist der nächste Schritt, mit definiertem Geltungsbereich, dokumentierten KPIs und einem klaren Ausstiegspunkt nach Pilotende.