Deployment Checkliste: Sicherheitsroboter in 14 Tagen
Deployment Checkliste für Werkleiter: Vom Vertrag zum 24/7-Roboterbetrieb in 14 Tagen. Konkrete Zeitangaben, Sensorwahl, KRITIS-Pflichten.
Deployment Checkliste für Sicherheitsroboter im Werksperimeter
Diese Anleitung richtet sich an Werkleiter, die in den nächsten 30 Tagen einen Patrouillenroboter in Betrieb nehmen. Sie ersetzt kein Sicherheitskonzept, sondern strukturiert den Übergang vom unterzeichneten Vertrag zum autonomen 24/7-Betrieb. Jede Position der Liste ist in Stunden oder Tagen terminiert. Wer abkürzt, zahlt später in Form von Fehlalarmen, Betriebsratskonflikten oder verlorenen Wochen bis zum echten Go-Live.
Deployment Checkliste: Vom Vertrag zum operativen Go-Live in 14 Tagen
Der Rollout teilt sich in fünf zeitlich harte Blöcke. Verschiebungen einzelner Tage ziehen den Go-Live mit. Quarero plant 14 Kalendertage, nicht 14 Arbeitstage.
Tag 0 bis 2. Vertragsunterzeichnung, Versicherungsnachweis nach EN ISO 13482, Lieferadresse und Empfangsverantwortlicher. Sicherheitsroboter müssen die Anforderungen der EN ISO 13482 für Serviceroboter im Außeneinsatz erfüllen. Ohne gültigen Nachweis verlässt kein Gerät das Lager. Der Empfangsverantwortliche ist namentlich benannt, mit Mobilnummer und Vertretungsregelung.
Tag 3 bis 5. Perimeter-Audit vor Ort durch den Deploymentingenieur. Ergebnis ist eine Heatmap der Schwachstellen mit Kennzeichnung von Zaunlücken, toten Winkeln und kreuzenden Logistikwegen. Daraus werden die Patrouillenkorridore mit Wegpunkten und Verweildauern festgelegt.
Tag 6 bis 9. WLAN-Mesh-Validierung an jedem Wegpunkt, LTE-Failover-Test mit erzwungenem WLAN-Abriss, Installation der Andockstation auf einer zertifizierten Stromzuleitung mit FI-Schutz. Die Andockstation steht überdacht, mit freier Anfahrt von drei Metern.
Tag 10 bis 12. Erstpatrouillen im Begleitmodus mit dem Werkschutz. Der Posten verifiziert jede Detektion, der Roboter justiert die Detektionszonen. Schwellwerte für Personen-, Fahrzeug- und Tiererkennung werden auf das Gelände angepasst.
Tag 13 bis 14. Übergabe in den autonomen 24/7-Betrieb. Die Eskalationsmatrix mit Namen, Rufnummern und Reaktionszeiten geht an den Leitstand. Abnahmeprotokoll wird unterzeichnet.
Wer den 14-Tage-Plan einhalten will, beginnt mit dem TCO-Vergleich klassischer Werkschutz, um die Wirtschaftlichkeit gegenüber dem Vorstand zu belegen.
Vorbereitende Standortanalyse: Was vor der Lieferung geklärt sein muss
Die Standortanalyse entscheidet, ob der 14-Tage-Plan hält. Sie wird vor Vertragsunterzeichnung skizziert und in Tag 3 bis 5 vertieft.
- Bodenkarte. Steigungen über 8 Grad, Schwellen über 4 cm, unbefestigte Flächen und Gitterroste werden markiert. Der Roboter umfährt diese Punkte oder erhält eine Rampe.
- Tore, Schranken, Schleusen. Jedes passive Hindernis bekommt einen Status: passierbar, automatisiert öffnend, umfahren. Schiebetore mit Modbus-Schnittstelle werden direkt angebunden, alle anderen über Funkrelais.
- Lichtverhältnisse. Messung in Lux an Patrouillenpunkten zur dunkelsten Stunde. Bereiche unter 5 Lux erfordern einen QR-2 für 24/7-Außenperimeter mit Wärmebildmodul. RGB allein liefert in diesem Bereich keine forensisch verwertbaren Bilder.
- Funkvermessung. Dokumentierte Signalstärke an jedem Patrouillenpunkt, Mindestwert -75 dBm. Werte zwischen -75 und -85 dBm erfordern einen zusätzlichen Mesh-Knoten. Werte unter -85 dBm sind nicht betriebsfähig.
- Gefahrenzonen mit Drittparteien. Spediteure, Reinigungsfirmen, Werksfeuerwehr. Für jede Drittpartei gilt eine Ausweichregel: Roboter hält 3 Meter Abstand, signalisiert akustisch, wartet bis zu 90 Sekunden, weicht dann auf Alternativroute aus.
Ohne sauberes Audit ist die 48-Stunden-Lieferung Sicherheitsroboter ein leeres Versprechen. Die Lieferung selbst dauert 48 Stunden, das nutzbare Deployment ohne Audit nicht.
Sensorwahl: QR-1, QR-2 oder QR-3 je nach Einsatzprofil
Drei Sensorklassen decken das Spektrum der Werksperimeter ab. Die Auswahl folgt nicht der Quadratmeterzahl, sondern dem Schadenswert pro Ereignis.
| Modell | Einsatz | Sensorik | RaaS-Rate |
|---|---|---|---|
| QR-1 | Hallen, beleuchtete Innenhöfe | RGB, Audio | 3.200 € / Monat |
| QR-2 | 24/7-Außenperimeter | RGB, Wärmebild, Personenerkennung 80 m | 3.500 € / Monat |
| QR-3 | KRITIS-Standorte | LiDAR, Drohnenerkennung, Wärmebild | 3.800 € / Monat |
QR-1 ist die richtige Wahl für Logistikhallen mit konstanter Beleuchtung über 50 Lux und ohne Außenbereich. Wärmebild bringt hier keinen Mehrwert.
QR-2 ist der Standardfall für Industriestandorte mit Außenperimeter und Nachtbetrieb. Personenerkennung bis 80 Meter, Wärmebild für Bereiche unter 5 Lux.
QR-3 mit QR-3 mit LiDAR und Drohnenerkennung gehört auf KRITIS-Standorte, Umspannwerke, Wasserwerke und Chemieparks. LiDAR liefert Detektion auch bei Nebel und Starkregen. Die Drohnenerkennung erfasst kleine UAS bis 120 Meter.
Mischflotten. Ein QR-2 plus ein QR-1 deckt 90 Prozent typischer Werksperimeter mit Halle und Außenring ab. Die Auswahlregel lautet: Sensortiefe folgt der Schadenshöhe pro Ereignis, nicht der Flächengröße. Ein 800 m² Hochsicherheitslager braucht einen QR-3, ein 40.000 m² Stückgutlager einen QR-1.
Für eine Auslegung des Perimeterschutz Industrie liegt im Audit eine Sensorempfehlung pro Patrouillenkorridor.
Integration in Leitstand und bestehende Sicherheitsarchitektur
Der Roboter ersetzt keinen Leitstand, er liefert ihm zu. Die Integration ist an Tag 7 abgeschlossen, parallel zur WLAN-Validierung.
- API-Anbindung. REST-Endpoints für Lenel, Genetec und Milestone sind dokumentiert. Alarme, Live-Video und Telemetrie laufen in das bestehende VMS. Keine zweite Bedienoberfläche für den Schichtleiter.
- NSL-Spiegelung. Alarme werden als VdS-konforme Meldungen an die Notruf- und Serviceleitstelle gespiegelt. Der Werkleiter entscheidet, welche Eskalationsstufen die NSL direkt bedient.
- Eskalationsstufen. Vier Stufen sind verbindlich: Sichtung (Roboter erkennt Anomalie), Verifikation (Leitstand prüft Bild), Intervention (Posten oder Streife rückt aus), Polizeiruf (Leitstand wählt 110). Jede Stufe hat eine maximale Reaktionszeit in Sekunden.
- Rollen und Rechte. Werkleiter, Schichtleiter und externe Dienstleister werden in getrennten Rollen geführt. Externe sehen nur Live-Video, keine Routendaten, keine Historie.
- Logging. Aufzeichnungen werden 90 Tage gespeichert, sicherheitsrelevante Ereignisse 180 Tage. KRITIS-Betreiber unterliegen nach KritisV Paragraf 8 dokumentierten Aufbewahrungs- und Nachweispflichten.
Wer Lenel oder Milestone bereits einsetzt, erspart sich Schulungsaufwand. Schichtleiter arbeiten weiter in der gewohnten Oberfläche.
Rechtliche und regulatorische Pflichten beim Rollout
Drei Rechtsgebiete laufen parallel: Datenschutz, Arbeitsrecht, Maschinenrecht. Keines lässt sich nachholen.
- Datenschutz-Folgenabschätzung. Nach Art. 35 DSGVO vor dem ersten Patrouillentag abgeschlossen. Quarero liefert ein Muster, der Datenschutzbeauftragte des Werks zeichnet ab.
- Betriebsratsbeteiligung. Betriebsvereinbarung unterzeichnet, bevor der Roboter Bilder aufzeichnet. Praxis zeigt: Wer den Betriebsrat in Tag 0 einbindet, hat in Tag 10 die Unterschrift. Wer ihn in Tag 7 informiert, verliert vier Wochen.
- Beschilderung. Hinweise auf die Videoüberwachung nach Paragraf 4 BDSG zwei Wochen vor Go-Live an allen Zugängen. Piktogramm, Verantwortlicher, Kontakt für Betroffene.
- CE-Konformität. Die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 regelt die CE-Konformität autonomer mobiler Systeme ab Januar 2027 verbindlich. Quarero liefert die Konformitätserklärung im Lieferumfang.
- KRITIS-Aufnahme. Bei KRITIS-Betreibern wird der Roboter in das Sicherheitskonzept nach KRITIS-Dachgesetz aufgenommen. Details zur Frist und Dokumentation in der KRITIS-Dachgesetz Checkliste 2026.
Testbetrieb: 72 Stunden Parallelpatrouille mit dem Werkschutz
Der Testbetrieb läuft an Tag 10 bis 12 und ist nicht verhandelbar. Wer ihn auf 24 Stunden kürzt, riskiert Fehlalarmquoten von 15 Prozent im Echtbetrieb.
Stunde 0 bis 24. Der Roboter folgt dem Wachmann auf der regulären Streife. Er kalibriert Routen, sammelt Referenzbilder bei Tag und Nacht, lernt feste Hindernisse wie geparkte LKW oder Container. Der Wachmann bestätigt jede Wegpunkt-Erreichung.
Stunde 25 bis 48. Autonome Tagespatrouille. Der Wachmann bleibt im Leitstand und verifiziert jede Meldung. Falschpositive werden mit Ursachenkürzel protokolliert: Schatten, Tier, reflektierende Fläche, Drittfahrzeug.
Stunde 49 bis 72. Autonome Nachtschicht. Die Eskalationsketten werden live getestet, inklusive eines geplanten Intrusionstests durch einen Mitarbeiter mit Warnweste. Reaktionszeit Sichtung bis Verifikation muss unter 90 Sekunden liegen.
Akzeptanzkriterium. Weniger als 5 Prozent Fehlalarme über die letzten 24 Stunden. Wird der Wert überschritten, beginnt eine weitere 24-Stunden-Schleife mit Nachjustierung der Detektionszonen.
Abnahmeprotokoll. Wird durch Werkleiter und Quarero-Deploymentingenieur unterzeichnet. Es enthält Fehlalarmquote, Verfügbarkeit, Kilometerstand, getestete Eskalationsstufen.
Ohne Unterschrift kein Übergang in Tag 13. Der Roboter bleibt im Begleitmodus, bis das Protokoll vorliegt.
Operative Übergabe und Service-Level im Dauerbetrieb
Ab Tag 15 läuft der Servicevertrag. Die Konditionen sind im RaaS-Modell standardisiert.
- Reaktionszeit. Quarero-Support antwortet innerhalb 15 Minuten bei kritischen Meldungen (Ausfall, Sicherheitsereignis), innerhalb 4 Stunden bei Wartung. Die Zeitfenster gelten 24/7, auch an Feiertagen.
- Hardware-Tausch. Vor-Ort-Tausch defekter Einheiten innerhalb 24 Stunden. Das Ersatzgerät ist identisch konfiguriert, mit gespiegelten Routen und Detektionszonen. Kein neues Audit, kein neuer Testbetrieb.
- Performance-Report. Monatlich mit Patrouillenkilometern, Ereignissen nach Kategorie, Verfügbarkeit in Prozent, Top-5 Fehlalarmursachen. Der Report geht an Werkleiter und Sicherheitsbeauftragten.
- Sicherheitsreview. Quartalsweise mit dem Werkleiter. Routen werden an neue Hallennutzung, geänderte Logistikströme oder neue Gefahrenzonen angepasst.
- Vertragslaufzeit. 24 Monate, Verlängerung in 12-Monats-Schritten ohne Preisaufschlag. Die Rate bleibt für die gesamte Folgelaufzeit fixiert.
Wer das Robotics-as-a-Service Modell wählt, vermeidet Capex und Abschreibungslogik. Der BDSW dokumentiert Personalkosten und Verfügbarkeitsengpässe im klassischen Werkschutz, die diese Wahl wirtschaftlich machen.
Häufige Deployment-Fehler und wie sie vermieden werden
Fünf Fehler tauchen in Deployment-Reviews regelmäßig auf. Jeder kostet Zeit, Geld oder Vertrauen im Werk.
Fehler 1: Funkvermessung übersprungen. Der Roboter verliert in toten Zonen die Verbindung, fährt in den Sicherheitsstopp, blockiert Routen. Folge: 20 bis 40 Minuten manueller Eingriff pro Vorfall. Gegenmaßnahme: Tag 6 bis 9 strikt einhalten, jeden Wegpunkt vermessen.
Fehler 2: Betriebsrat zu spät einbezogen. Go-Live verzögert sich um vier bis acht Wochen, weil die Betriebsvereinbarung nicht steht. Gegenmaßnahme: Erstgespräch mit Betriebsrat in Tag 0, parallel zur Vertragsunterzeichnung.
Fehler 3: Eskalationsmatrix fehlt. Alarme erreichen den falschen Adressaten oder verpuffen im Postfach des Werkleiters um 3 Uhr nachts. Gegenmaßnahme: Matrix wird in Tag 13 mit Namen und Rufnummern an den Leitstand übergeben, nicht früher und nicht später.
Fehler 4: Sensorklasse zu niedrig gewählt. QR-1 im Außenperimeter bei 2 Lux liefert keine verwertbaren Bilder. Forensische Aufklärung scheitert, der Versicherer kürzt Leistungen. Gegenmaßnahme: Lichtmessung in Tag 3 bis 5, Sensorklasse danach festlegen.
Fehler 5: Kein Abnahmeprotokoll. Bei späteren Haftungsfragen (Diebstahl, Sachbeschädigung, Personenschaden) bleibt offen, in welchem Konfigurationsstand der Roboter lief. Gegenmaßnahme: Abnahmeprotokoll an Tag 14 unterzeichnen, Kopie an Werkleiter, Quarero, Versicherer.
Die fünf Fehler erklären 80 Prozent der gescheiterten oder verspäteten Rollouts. Wer sie kennt, plant um sie herum.
Nächster Schritt
Diese Checkliste ist kein Marketingdokument. Sie wird in Quarero-Deployments als Arbeitsgrundlage genutzt und nach jedem Rollout aktualisiert. Werkleiter, die innerhalb der nächsten 30 Tage einen Roboter in Betrieb nehmen, sollten mit dem Perimeter-Audit beginnen, nicht mit der Vertragsverhandlung. Das Audit kostet nichts, der verlorene Monat schon. Pilotanfrage stellen und das Audit-Team innerhalb von 48 Stunden vor Ort haben.