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EN ISO 13482: Sicherheitsnorm für autonome Roboter

EN ISO 13482 für Patrouillenroboter: Geltungsbereich, Risikobeurteilung, Schutzfunktionen und Pflichten nach EU-Maschinenverordnung 2023/1230.

Dr. Raphael Nagel (LL.M.)
Investor & Autor · Founding Partner
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EN ISO 13482: Sicherheitsnorm für autonome Roboter im Werksumfeld

Werkleiter, die Patrouillenroboter beschaffen, stoßen in Ausschreibungen regelmäßig auf zwei Normen: EN ISO 10218 für Industrieroboter und EN ISO 13482 für Serviceroboter. Die Verwechslung ist die häufigste Ursache für Fehlbeschaffungen. Dieser Text trennt beide Normen sauber, erklärt die Anforderungen an mobile Serviceroboter im Außeneinsatz und benennt die Pflichten, die ab Januar 2027 mit der EU-Maschinenverordnung 2023/1230 hinzukommen.

EN ISO 13482: Geltungsbereich und Abgrenzung

EN ISO 13482 spezifiziert Sicherheitsanforderungen für drei Kategorien von Robotern: mobile Serviceroboter, physische Assistenzroboter und Personentransportroboter (ISO 13482:2014). Industrieroboter mit ortsfester Montage und Schutzzaun fallen ausdrücklich nicht in den Anwendungsbereich. Für diese gilt EN ISO 10218.

Diese Abgrenzung wird in Beschaffungsverfahren regelmäßig verwechselt. Wer einen autonomen Patrouillenroboter ausschreibt und Konformität nach EN ISO 10218 verlangt, fordert die falsche Norm. Patrouillenroboter für den Perimetereinsatz sind mobile Serviceroboter ohne aktiven Personenkontakt. Sie fallen unter Abschnitt 5 der EN ISO 13482.

Die Norm wurde 2014 veröffentlicht und im DACH-Raum als DIN EN ISO 13482 harmonisiert. Sie ergänzt die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 (EUR-Lex), ersetzt sie aber nicht. Die Verordnung bleibt das übergeordnete Rechtsdokument für die CE-Kennzeichnung. EN ISO 13482 ist das technische Mittel zur Konformitätsvermutung.

Wer Industrieroboterstandards auf Patrouillenroboter anwendet, fordert Schutzeinrichtungen, die im Außeneinsatz weder sinnvoll noch umsetzbar sind. Der Schutzzaun, der EN ISO 10218 prägt, existiert hier nicht.

Gefährdungen, die die Norm adressiert

EN ISO 13482 listet in Abschnitt 5 die spezifischen Gefährdungen mobiler Serviceroboter. Die Kollision mit Personen bei autonomer Navigation wird in Abschnitt 5.7 behandelt. Vorgeschrieben sind Detektionsreichweite, Reaktionszeit und Sicherheitsabstände.

Abschnitt 5.8 adressiert Instabilität: Rampen, Schwellen, nasser Untergrund. Für Außeneinsätze ergänzt das den Punkt der Energieversorgung bei Temperaturen unter -10 °C. Lithium-Ionen-Akkus verlieren bei -15 °C bis zu 40 Prozent ihrer Kapazität. Wer auf reine Datenblattangaben vertraut, plant den Ausfall mit ein.

Elektromagnetische Störungen durch Industriefunk, Krananlagen oder Schweißroboter sind in Werksumgebungen Standardrisiken. Die Norm verweist auf EMV-Prüfungen nach EN 61000-6-2 für Industrieumgebungen. Fehlinterpretation von Sensorsignalen bei Nebel, Regen und Direktsonne betrifft RGB-Kameras und LiDAR gleichermaßen. Die Konsequenz: Sensorredundanz ist keine Komfortfunktion, sondern Normanforderung.

Cyber-Manipulation der Steuerung wird in EN ISO 13482 als Risiko benannt, mit Verweis auf IEC 62443. Für KRITIS-Betreiber ist dieser Verweis bindend, weil die NIS-2-Richtlinie wesentliche Einrichtungen zur Absicherung auch cyber-physischer Systeme verpflichtet (NIS-2).

Risikobeurteilung nach EN ISO 12100

EN ISO 13482 verlangt eine Risikobeurteilung nach der Methodik von EN ISO 12100. Das ist keine Formalität. Die Dokumentation muss alle vorhersehbaren Fehlbenutzungen enthalten, etwa einen Mitarbeiter, der den Roboter absichtlich blockiert, oder einen Staplerfahrer, der den Patrouillenpfad kreuzt.

Restrisiken sind schriftlich an den Betreiber zu kommunizieren. Ein Hersteller, der die Risikobeurteilung als Anlage zum Datenblatt mitliefert, erfüllt die Norm nicht. Verlangt ist eine projektbezogene Beurteilung pro Einsatzort. Eine Werkshalle mit Mischverkehr hat andere Risiken als ein gesicherter Perimeter mit Zaun.

Für sicherheitsrelevante Steuerungen ist der Performance Level nach EN ISO 13849-1 festzulegen. Personendetektion erfordert in der Regel Performance Level d. Stabilitätsüberwachung kann Performance Level c sein, sofern die Risikobeurteilung das stützt.

Quarero liefert die Risikobeurteilung als Teil der RaaS-Inbetriebnahme. Sie wird nicht separat in Rechnung gestellt und nicht an Subunternehmer ausgelagert. Details zum Vertragsmodell stehen im Robotics-as-a-Service Modell.

Schutzfunktionen: Was im Roboter sitzen muss

Die Norm verlangt eine mechanisch erreichbare Not-Halt-Einrichtung. Mindestens ein physischer Taster muss vorhanden sein. Eine reine Software-Notabschaltung über App genügt nicht.

Geschwindigkeitsbegrenzung in Personenzonen ist auf ≤ 0,3 m/s festgelegt. Das ist der Wert, der in Kollisionsstudien als Schwelle für vernachlässigbare Verletzungsenergie gilt. Im offenen Perimeter darf der Roboter schneller fahren, sobald keine Personen detektiert werden.

Redundante Sensorik zur Personendetektion ist Pflicht. Der QR-2 nutzt Thermal-Imaging plus RGB. Bei Nebel oder Dunkelheit übernimmt die Thermalkamera, bei direkter Sonneneinstrahlung der RGB-Sensor. Ein einzelner LiDAR ohne Redundanz erfüllt die Norm nicht für Personenzonen.

Safe Torque Off (STO) muss innerhalb des Sicherheitsabstands ausgelöst werden, wenn ein Hindernis detektiert wird. Akustisches und visuelles Warnsignal vor Bewegungsstart sind vorgeschrieben. Das Logging aller sicherheitsrelevanten Ereignisse muss mindestens 90 Tage verfügbar bleiben. Für KRITIS-Einsätze sind längere Aufbewahrungsfristen sinnvoll.

Die technische Umsetzung steht in der Quarero QR-2 Spezifikation.

Verhältnis zur EU-Maschinenverordnung 2023/1230

Die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 tritt ab Januar 2027 verpflichtend in Kraft und ersetzt die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Autonome mobile Roboter werden als Hochrisikomaschinen eingestuft, wenn sie sicherheitsrelevante KI nutzen. Das gilt für jeden Patrouillenroboter mit lernender Hinderniserkennung.

Die CE-Kennzeichnung erfordert für Hochrisikomaschinen eine Konformitätsbewertung durch eine benannte Stelle. Eine Herstellererklärung allein reicht nicht. Wer 2026 noch Roboter beschafft, sollte vertraglich sichern, dass der Hersteller den Übergang auf die neue Verordnung trägt. Eine Exit-Klausel für Normänderungen gehört in den Vertrag.

EN ISO 13482 bleibt anwendbares Mittel zur Konformitätsvermutung, sobald sie unter der neuen Verordnung gelistet ist. Die technische Dokumentation muss zehn Jahre verfügbar bleiben. Bei einem RaaS-Vertrag über fünf Jahre bedeutet das: Der Anbieter haftet für die Dokumentenverfügbarkeit auch nach Vertragsende.

Welche organisatorischen Pflichten parallel aus NIS-2 entstehen, ist in NIS-2 Vorstandshaftung ausgeführt.

Pflichten des Betreibers nach Inbetriebnahme

Mit der Übergabe endet die Herstellerpflicht, beginnt aber die Betreiberpflicht. Nach ArbSchG §5 ist eine Gefährdungsbeurteilung am Einsatzort zu erstellen, die die Herstellerdokumentation ergänzt. Wer den Roboter im Lager einsetzt und später auf den Außenparkplatz verlegt, muss die Beurteilung anpassen.

Die Unterweisung der Belegschaft erfolgt mindestens einmal jährlich und ist zu dokumentieren. Inhalte: Verhalten bei Begegnung, Not-Halt-Bedienung, Meldewege bei Vorfällen. Eine zehnminütige Einweisung im Onboarding genügt nicht.

Wartungsintervalle sind nach Herstellerangabe einzuhalten. Abweichungen sind zu begründen und zu dokumentieren. Vorfälle mit Sachschaden oder Personenkontakt sind der Berufsgenossenschaft zu melden. Bei KRITIS-Einsatz besteht zusätzlich Meldepflicht nach BSI-Gesetz §8b (BSI-KritisV).

Für Kamerasysteme ist eine Datenschutzfolgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO zu dokumentieren. Das gilt auch dann, wenn die Kameras nicht primär zur Personenerfassung dienen, aber Personen erfassen könnten. In der Praxis: jede RGB-Kamera mit Außenblick.

Konformität bei Quarero QR-2 und QR-3

Beide Quarero-Modelle erfüllen EN ISO 13482 für mobile Serviceroboter ohne aktiven Personenkontakt. Die Konformität ist nicht modellhaft, sondern projektbezogen. Pro Einsatzort wird eine eigene Risikobeurteilung erstellt und der Konformitätserklärung beigefügt.

Performance Level d gilt für die Personendetektion. Performance Level c gilt für die Stabilitätsüberwachung. Diese Werte sind in der technischen Dokumentation hinterlegt und werden in der Konformitätserklärung explizit benannt. Beschaffer, die diese Angabe in Ausschreibungen verlangen, filtern Anbieter ohne saubere Dokumentation zuverlässig.

Der QR-3 ist zusätzlich nach IEC 62443-3-3 für den KRITIS-Einsatz geprüft. Diese Prüfung adressiert die in EN ISO 13482 nur angedeutete Cyber-Sicherheitsanforderung. Für Betreiber nach BSI-KRITIS-Verordnung ist sie de facto Pflicht. Details stehen unter QR-3 für KRITIS-Einsatz.

Die Konformitätserklärung ist Bestandteil des RaaS-Vertrags, nicht ein Zusatzdokument auf Anfrage. Diese Trennung ist wichtig: Wer die Erklärung erst nach Vertragsabschluss anfordern muss, hat sie vertraglich nicht gesichert.

Beschaffungs-Checkliste für Werkleiter

Vor Vertragsabschluss ist die Konformitätserklärung des Herstellers anzufordern. Eine Marketing-Aussage zur Normkonformität ohne unterschriebenes Dokument ist nicht belastbar. Die Performance Level der einzelnen Sicherheitsfunktionen sind schriftlich zu bestätigen, nicht aus Datenblättern abzuleiten.

Logfile-Zugriff für eigene Audits ist vertraglich zu sichern. Wer im Vorfallsfall auf die Logs des Herstellers angewiesen ist, verliert Verhandlungsspielraum gegenüber Versicherern und Aufsichtsbehörden. Eine API mit dokumentierten Endpoints ist die Mindestlösung.

Die Haftungsregelung bei Personenschaden ist zu klären: zwischen Hersteller, Betreiber und Versicherer. Übliche Verteilungen sehen vor, dass der Hersteller für Konstruktionsfehler haftet, der Betreiber für Einsatzfehler. Die Grenze zwischen beidem wird im Vertrag definiert, nicht im BGB.

Update-Pflichten der Software sind für die Restlaufzeit des Vertrags festzulegen. Ein Roboter, dessen Sicherheitssoftware nach drei Jahren keine Patches mehr erhält, fällt automatisch aus der Konformität. Die Exit-Klausel für Normänderungen ist der letzte Punkt: Ändert sich EN ISO 13482 oder die Maschinenverordnung, muss geregelt sein, wer die Anpassung trägt.

Wer den Kostenrahmen für eine vollkonforme Robotik-Lösung gegen klassischen Wachschutz prüfen will, findet die Aufstellung im TCO-Vergleich Wachschutz. Den praktischen Einsatzfall beschreibt Perimeterschutz im Industriepark.

EN ISO 13482 ist kein Hindernis, sondern die Grundlage für eine belastbare Beschaffungsentscheidung. Wer die Norm in der Ausschreibung sauber zitiert, filtert nicht-konforme Anbieter automatisch heraus. Für ein Pilotgespräch, in dem die Konformitätsunterlagen vor Vertragsabschluss eingesehen werden können, bitte unter Pilotgespräch anfragen Termin vereinbaren.

Übersetzungen

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