Sicherheitsroboter ROP: Prozesszeit als Kennzahl
Sicherheitsroboter ROP definiert die Alarmkette von T1 bis T4. Messmethodik, Benchmarks und Schwellwerte für KRITIS-Betreiber im Detail.
Anbieter werben mit Detektionszeiten unter einer Sekunde. Sicherheitsleiter brauchen die Gesamtkette. Der Unterschied entscheidet über Versicherung, Audit und Schadenshöhe.
Dieser Text definiert die Response Operating Procedure (ROP) für Sicherheitsroboter, beschreibt die vier Zeitmarken und liefert prüfbare Schwellwerte. Die Trennung zwischen T1 (Detektion) und T1 bis T4 (ROP-Gesamtzeit) ist nicht akademisch. Sie ist die Grundlage jeder belastbaren Ausschreibung.
Sicherheitsroboter ROP: Definition und Geltungsbereich
ROP steht für Response Operating Procedure. Der Begriff bezeichnet die dokumentierte Kette vom Sensorereignis bis zur abgeschlossenen Eskalation. Vier Phasen sind verbindlich: Detektion, Klassifikation, Eskalation, Quittierung. Jede Phase trägt eine eigene Zeitmarke.
Die Abgrenzung zur SOP ist wichtig. Eine Standard Operating Procedure ist routinegetrieben und beschreibt geplante Patrouillen, Übergaben und Schichten. Eine ROP ist ereignisgetrieben und startet erst, wenn ein Sensor auslöst. Beide Dokumente koexistieren, sind aber nicht austauschbar.
Die ROP gilt für jeden Patrouillenroboter, der Alarme an eine Notruf- und Serviceleitstelle (NSL) oder einen Werkschutz weiterleitet. Bei Robotik ohne Eskalationspfad existiert keine ROP, sondern nur ein Telemetrie-Stream. Das ist juristisch und versicherungstechnisch ein Unterschied.
In KRITIS-Sektoren wird die ROP ab 2026 auditpflichtig. Der Entwurf des KRITIS-Dachgesetzes verlangt nachweisbare physische Schutzmaßnahmen und dokumentierte Vorfallmeldung (Bundestag-Drucksache 20/9262). Wer keine ROP-Logs vorlegen kann, erfüllt die Nachweispflicht nicht.
Die vier Zeitmarken der Alarmkette
T1 ist die Detektion. Der Sensor erkennt eine Anomalie. Beim QR-2 Thermalmodul liegt T1 unter 400 Millisekunden bei Personendetektion auf 50 Meter Entfernung. Quarero Robotics Datenblatt QR-2 T1 ist die einzige Zeitmarke, die Hersteller gern isoliert nennen.
T2 ist die Klassifikation. Eine On-Edge-Inferenz unterscheidet Person, Tier und Fahrzeug. Zielwert liegt unter 1,5 Sekunden. Quarero Robotics Datenblatt QR-2 Ohne Klassifikation entstehen Fehlalarme, die T4 dauerhaft aus dem Ruder laufen lassen.
T3 ist die Eskalation. Der Alarm geht an NSL oder Leitstand. Der Pfad über SIP und VMS sollte unter 3 Sekunden bleiben. Latenzprobleme entstehen hier meist durch Bandbreite, nicht durch Software.
T4 ist die Quittierung. Ein Operator bestätigt den Alarm und entscheidet über die Maßnahme. Hier liegt der größte Streubereich. T4 hängt am Personalmodell der NSL, nicht am Roboter.
Die belastbare ROP-Kennzahl ist T1 bis T4. Eine T1 unter 400 Millisekunden hat keinen Wert, wenn T4 bei 120 Sekunden steht. Ausschreibungen, die nur Detektionszeit fordern, sind technisch unvollständig.
Messmethodik: Wie Prozesszeiten valide erhoben werden
Synthetische Trigger sind die Grundlage. Zertifizierte Testpersonen mit definierter Wärmesignatur, fester Geschwindigkeit und festgelegten Routen werden eingesetzt. Spontane Ereignisse taugen nicht für Statistik, weil die Eingangsbedingungen variieren.
Mindestens 30 Triggerläufe pro Sensorklasse sind nötig. Quarero Robotics Messprotokoll Die Läufe verteilen sich über Tag, Nacht, Regen und Nebel. Wer nur bei Trockenwetter misst, bekommt schöne Zahlen ohne operativen Wert.
Zeitstempel kommen aus drei Quellen. Robotik-Log, VMS-Log und NSL-Ticket werden korreliert. Eine Einzelquelle ist nicht prüfbar. Die Korrelation deckt Uhrendrift und Übergabelücken auf.
Ausreißer ab dem 95. Perzentil werden getrennt ausgewiesen. Ein Mittelwert versteckt die kritischen Fälle. Auditoren fragen nach dem 99. Perzentil, nicht nach dem Median.
Quartalsmessung gehört in den Auditordner. Eine einmalige Abnahmemessung reicht für KRITIS-Nachweise nicht. Die Frequenz steht im Schutzkonzept.
Benchmarks aus deutschen Industrieperimetern
Ein stationärer Wachposten erreicht T1 bis T4 typisch zwischen 90 und 180 Sekunden bei direktem Sichtkontakt. BDSW-Branchenstatistik Ohne Sichtkontakt liegt der Wert höher. Die BDSW-Branchenstatistik liefert Vergleichswerte für das klassische Wachgewerbe.
Eine Festkamera mit NSL-Aufschaltung erreicht 25 bis 60 Sekunden. BDSW-Branchenstatistik Der Streubereich hängt an der Auslastung des Operators. Bei mehr als 40 gleichzeitig betreuten Objekten steigt T4 spürbar. VdS 3138 Richtlinie für Notruf- und Serviceleitstellen
Eine QR-2 Patrouille mit Edge-Klassifikation liegt im Median zwischen 6 und 14 Sekunden für T1 bis T3. Quarero Robotics Pilotbericht 2024 T4 bleibt menschlich gebunden und variiert mit dem NSL-Personalmodell. Eine T1 bis T3 unter 10 Sekunden ist erreichbar, aber kein Gratis-Effekt.
Die Vergleichszahlen sind nur valide bei identischer Messmethodik. Ein Anbieter, der nur T1 nennt, lässt sich nicht mit einem Anbieter vergleichen, der T1 bis T4 ausweist. Ausschreibungen sollten die Messmethodik vorgeben, nicht nur Zielwerte.
Wer Patrouillenroboter im Industrieperimeter prüft, findet die operativen Rahmenbedingungen in unserem Beitrag zu Perimeterschutz für Industrieparks.
Schwellwerte für KRITIS-Betreiber
Der Dachgesetz-Entwurf verlangt nachweisbare Detektion und Eskalation. Explizite Sekundenwerte fehlen (Bundestag-Drucksache 20/9262). Das schiebt die Definition an den Betreiber. Wer keine Zahlen nennt, hat keinen Nachweis.
Das BBK gibt Empfehlungen zur physischen Resilienz kritischer Infrastrukturen heraus (BBK). Der Begriff "unverzüglich" taucht regelmäßig auf. Unverzüglich ist juristisch "ohne schuldhaftes Zögern" und muss intern in Sekundenwerte übersetzt werden.
Empfehlung Quarero: T1 bis T3 liegt unter 15 Sekunden bei 99,5 Prozent der Ereignisse. Diese Schwelle ist mit Edge-Klassifikation und SIP-Direktpfad erreichbar. Höhere Werte deuten auf Konfigurationsfehler oder Netzwerklatenz hin.
T4 liegt unter 60 Sekunden in 95 Prozent der Fälle. Wer dauerhaft über diesem Wert liegt, sollte den NSL-Vertrag prüfen. T4 ist kein Robotik-Problem, sondern ein Personalmodell-Problem.
Die Schwellwerte gehören in den Anhang des Schutzkonzepts, nicht nur in interne SLAs. Auditoren prüfen das Schutzkonzept, nicht die SLA-Dokumente. Eine Übersicht der Anforderungen liefert unser Beitrag zu KRITIS-Anforderungen im Überblick.
Typische Fehlerquellen in der Messung
Uhrendrift zwischen Robotik und VMS verfälscht Zeitmarken um mehrere Sekunden. Eine Drift von zwei Sekunden über 24 Stunden ist bei nicht synchronisierten Systemen normal. RFC 5905 NTP-Standard NTP-Sync auf alle beteiligten Systeme ist Pflicht, nicht Option.
Operator-Quittierung wird oft erst nach Sichtprüfung erfasst. Damit landet die Sichtprüfungsdauer im T4-Wert. Das bläht die Statistik künstlich auf. Sauberer Workflow: Quittierung sofort, Sichtprüfung separat protokollieren.
Fehlalarme verzerren Mittelwerte. Ein Reh, das eine Thermalanomalie auslöst, hat keinen operativen Wert für die ROP-Kennzahl. Die Kennzahl wird getrennt nach "echter Alarm" und "Fehlauslösung" geführt. Beide Werte sind relevant, aber nicht vergleichbar.
EN ISO 13482 regelt Sicherheitsanforderungen an persönliche Pflege- und Servicerobotik und dient als Referenzrahmen für autonome Bodensysteme (ISO 13482). Die Norm definiert keine ROP-Zeitwerte, aber sie schreibt dokumentierte Sicherheitsprozesse vor. Eine ROP fällt darunter.
Ein häufiger Fehler in Pilotbetrieben: Messung mit angekündigten Triggerläufen. Operatoren wissen, dass gleich ein Test kommt. T4 sinkt dann künstlich. Verdeckte Triggerläufe liefern die realistischeren Werte.
ROP in Versicherung und Audit
Sachversicherer akzeptieren ROP-Logs als Nachweis der Schadenminderungspflicht. Ohne Logs steht der Betreiber bei einem Schaden ohne Dokumentation da. Die Versicherung kann die Leistung kürzen oder verweigern.
Auditoren nach NIS-2 prüfen Eskalationsketten auch für physische OT-Sicherheit. Die Richtlinie erfordert dokumentierte Vorfallreaktion innerhalb definierter Fristen. Das schließt die physische Erstdetektion ein (NIS-2 Richtlinie). Die Trennung zwischen IT und OT verschwindet im Audit.
Logvorhaltung beträgt mindestens 24 Monate. NIS-2 Richtlinie Art. 21 Logs werden signiert und manipulationssicher abgelegt. Eine einfache Textdatei auf dem VMS-Server reicht nicht. Auditoren prüfen die Integrität der Logkette.
Vorstandsberichte sollten T1 bis T4 als Quartalskennzahl enthalten. Wer als Sicherheitsleiter nur die Anzahl Vorfälle berichtet, liefert kein Lagebild. Die Prozesszeit ist die operative Kennzahl. Zur Vorstandsperspektive siehe unseren Beitrag zu NIS-2 Vorstandshaftung.
Bei einem Schadensfall ist die ROP-Historie das erste angeforderte Dokument. Polizei, Versicherung und die Staatsanwaltschaft fragt nach Zeitmarken. Wer keine vorlegen kann, verliert die Beweisführung.
Umsetzung in der Praxis: Vom Pilotbetrieb zur Kennzahl
Ein Pilot von acht Wochen reicht für eine statistisch belastbare ROP-Basislinie. Quarero Robotics Pilotprotokoll Kürzere Piloten liefern zu wenig Datenpunkte für die Perzentilbetrachtung. Längere Piloten sind nur sinnvoll bei saisonalen Effekten wie Winterbetrieb.
Quarero liefert die Robotik in 48 Stunden. Lieferbedingungen Quarero Robotics Das Messprotokoll ist ab Tag 1 aktiv. Synthetische Trigger werden in der ersten Pilotwoche eingespielt. Die erste belastbare Auswertung liegt nach Woche zwei vor.
Die Integration in bestehende VMS läuft über ONVIF und SIP. Genetec, Milestone und Qognify sind getestete Plattformen. Eine eigene Leitstandsoftware ist nicht nötig. Der Werkschutz arbeitet weiter mit dem bekannten VMS.
Der monatliche ROP-Report ist Standardleistung im Robotics-as-a-Service Modell. Der Report enthält Median, 95. und 99. Perzentil, getrennt nach echten Alarmen und Fehlauslösungen. Vorstand und Auditor erhalten dasselbe Dokument.
Die wirtschaftliche Einordnung liefert unser TCO-Vergleich Wachschutz. Die ROP ist das qualitative Pendant zur Kostenseite. Kostenvergleiche ohne Prozesszeitbetrachtung führen zu Fehlentscheidungen.
Die Hardware für die Außenstrecke ist die QR-2 Außenpatrouille. Edge-Inferenz, Thermalmodul und SIP-Direktanbindung sind im Basismodell enthalten. Zusatzsensoren werden im Pilotprotokoll bewertet.
Wer einen Pilot mit messbarer ROP-Basislinie starten möchte, sendet das Schutzkonzept vorab und vereinbart den Termin über die Pilotanfrage ROP-Basislinie. Erstgespräch und Liefertermin werden in 48 Stunden bestätigt.