Onboarding Sicherheitsroboter: 14 Tage bis Go-Live
Onboarding Sicherheitsroboter im Werk: 14 Tage von Vertrag bis autonomer Nachtpatrouille. Konkrete Schritte, Kosten, Betriebsrat, Eskalation.
Ein Sicherheitsroboter, der nach acht Wochen Implementierung noch keine autonome Nachtschicht fährt, ist ein gescheitertes Projekt. Werkleiter, die diesen Zustand akzeptieren, verbrennen monatlich vierstellige Beträge an Opportunitätskosten. Dem Betriebsrat liefern sie damit zusätzlich Argumente gegen die Technik. Der folgende Plan beschreibt, wie das Onboarding Sicherheitsroboter in 14 Kalendertagen abgeschlossen wird, welche Entscheidungen am Tag 0 fallen müssen und woran sich Erfolg messbar erkennen lässt.
Onboarding Sicherheitsroboter: Was in 14 Tagen entschieden wird
Der Zeitraum von Tag 0 (Vertragsunterzeichnung) bis Tag 14 (erste autonome Nachtschicht) ist eng getaktet. Verzögerungen entstehen nicht durch die Technik, sondern durch ungeklärte Verantwortlichkeiten im Werk.
Drei Entscheidungsträger werden am Tag 0 namentlich benannt: der Werkleiter als wirtschaftlich Verantwortlicher, der Sicherheitsleiter für Routen und Eskalation, der IT-Verantwortliche für Netzwerk und Schnittstellen. Ohne diese drei Namen im Projektplan startet das Onboarding nicht.
Die physische Lieferung erfolgt 48 Stunden ab Standortfreigabe, nicht ab Vertragsunterzeichnung. Standortfreigabe bedeutet: Audit abgeschlossen, Ladestation montiert, Netzwerk verfügbar. Wer am Tag 0 unterschreibt und am Tag 5 noch keinen Stromanschluss bestellt hat, verschiebt den Go-Live.
Die Mindestlaufzeit beträgt 24 Monate. Die monatliche OpEx liegt zwischen 3.200 und 3.800 Euro je Einheit, abhängig von Modell und Patrouillenintensität. Details zu den drei Servicestufen finden sich im Preismodell der drei Stufen.
Das Erfolgskriterium für Go-Live ist nicht die Lieferung, sondern zwei aufeinanderfolgende Nächte autonomer Patrouille ohne menschliche Korrektur. Erst danach gilt der Roboter als produktiv.
Standortaudit: Was vor der Lieferung geklärt sein muss
Das Audit findet zwischen Tag 1 und Tag 4 statt. Es entscheidet, ob ein QR-1, QR-2 oder QR-3 zum Einsatz kommt.
Topografie zuerst: Steigungen über 15 Prozent disqualifizieren den QR-1. Werksgelände mit Rampen zu Verladekais oder Hanglagen erfordern den QR-2 für 24/7-Außenpatrouille oder die schwere QR-3-Variante. Die Modellwahl fällt nach Begehung, nicht nach Satellitenkarte.
Bodenbeschaffenheit wird kartiert. Schotterflächen, Gitterroste über Kabelkanälen, Bahnübergänge und Kanaldeckel mit mehr als 3 Zentimeter Höhenversatz werden als No-Drive-Zonen markiert. Ein Roboter, der über einen vereisten Gitterrost rutscht, ist nach acht Wochen Reparatur teurer als jeder Posten.
Die WLAN-Abdeckung am Perimeter wird gemessen, nicht angenommen. Mindestens 25 Mbit/s an jedem Wegpunkt sind Pflicht. Wo die Abdeckung fehlt, schaltet das System auf LTE-Fallback per SIM. Die Kosten für den Datenvertrag liegen bei rund 35 Euro monatlich pro Einheit.
Die Ladestation benötigt einen 230V-Anschluss innerhalb von 30 Metern zum Rückkehrpunkt, witterungsgeschützt und mit FI-Schutz. Bei Außenmontage rechnet die Werks-Instandhaltung mit etwa 1.800 Euro einmaliger Installation, wenn keine Leitung vorhanden ist.
Die Beleuchtungssituation entscheidet über den Sensormodus. Unter 5 Lux schaltet der QR-2 automatisch auf Wärmebild um. Werke mit dunklen Perimeterabschnitten profitieren davon. Eine Investition in Beleuchtung entfällt dennoch nicht, wenn der Werkschutz die Zone visuell beurteilen muss.
Patrouillenrouten und No-Go-Zonen definieren
Routen werden zwischen Tag 5 und Tag 8 mit dem Sicherheitsleiter physisch abgegangen. GPS-Wegpunkte werden alle 10 Meter gesetzt. Eine Patrouillenroute von 1,2 Kilometern enthält damit rund 120 Wegpunkte, jeder einzeln dokumentiert.
No-Go-Zonen werden im Kartenlayer rot markiert: Gleisanlagen mit Werksbahn, Tankstellen und Gefahrgutlager, Schwerlastzonen mit Staplerverkehr, offene Becken. Diese Zonen sind softwareseitig gesperrt (nicht nur empfohlen).
Zeitfenster orientieren sich an der Schichtstruktur. Die Tagpatrouille läuft reduziert und meidet Hauptverkehrszeiten. Standard für den Nachtbetrieb ist 22:00 bis 06:00 Uhr. In dieser Zeit ist die Werksgelände Patrouille der Hauptzweck des Systems.
Triggerpunkte für einen Vollscan werden mit dem Sicherheitsleiter definiert: Tore, Zaunabschnitte mit historisch erhöhter Einbruchsrate, Verladerampen außerhalb der Betriebszeiten, kritische Maschinenhäuser. An diesen Punkten stoppt der Roboter und führt einen 360-Grad-Scan durch.
Die Startpunkte der Patrouille rotieren nach Zufallsprinzip. Ein Innentäter, der den festen 22:00-Uhr-Start am Tor 3 kennt, plant um den Roboter herum. Rotation verhindert diese Vorhersagbarkeit.
Schnittstellen: Leitstelle, Werkschutz, Mitarbeitervertretung
Die Alarmweiterleitung erfolgt an die bestehende Leitstelle per API oder SIA-DC-09-Protokoll. Eine Insellösung mit eigener App ist ausgeschlossen, weil sie eine zweite Bedienoberfläche für den Werkschutz schafft. Wer die Leitstelle nicht integriert, betreibt zwei parallele Systeme.
Das Werkschutz-Personal wird nicht ersetzt. Es wird für Eskalation und physische Intervention freigespielt. Statt drei Posten in der Nachtschicht laufen zwei Posten plus Roboter. Die dritte Person ist die Einsparung, nicht der gesamte Schichtstab. Die wirtschaftlichen Effekte sind im Beitrag Wachschutzkosten im Vergleich gegenübergestellt.
Der Betriebsrat ist Tag-1-Thema, nicht Tag-12-Thema. Eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Artikel 35 DSGVO ist vor Inbetriebnahme zwingend. Grund: systematische Videoüberwachung des Werksgeländes. Werke mit KRITIS-Bezug unterliegen zusätzlich der BSI-Kritisverordnung und müssen die Sicherheitstechnik dokumentieren.
Audio-Aufzeichnung wird deaktiviert, sobald Pausenbereiche, Raucherzonen oder Umkleiden im Patrouillenkorridor liegen. Die Lautsprecherfunktion bleibt aktiv, die Mikrofonaufnahme nicht. Dieser Punkt entscheidet über die Zustimmung des Gremiums öfter als jede andere Detailfrage.
Dokumentationspflicht: Videodaten werden 72 Stunden gespeichert, danach automatisch gelöscht. Längere Speicherzeiten sind nur bei dokumentierten Vorfällen zulässig und müssen in der Betriebsvereinbarung geregelt sein.
Eskalationsmatrix: Vier Stufen vom Sensor zum Streifenwagen
Die Eskalation läuft in vier definierten Stufen. Jede Stufe hat einen Auslöser, eine Aktion und einen Verantwortlichen.
Stufe 1: Der Roboter erkennt eine Person außerhalb der genehmigten Arbeitszeit. Aktion: Dokumentation mit Zeitstempel und Bild, Patrouille wird fortgesetzt. Kein Alarm. Diese Stufe deckt 80 Prozent der Detektionen ab (Quelle einfügen), meist eigenes Personal mit legitimem Grund.
Stufe 2: Die Person nähert sich einer kritischen Zone (Tor, Zaun, Trafostation). Aktion: akustische Ansprache durch den Lautsprecher mit vordefinierter Tonspur. In 60 bis 70 Prozent der Fälle entfernt sich die Person daraufhin [Quelle einfügen]. Die Aufzeichnung der Reaktion läuft.
Stufe 3: Die Person bleibt oder bewegt sich weiter auf die Zone zu. Alarm an die Leitstelle mit Livebild. Menschliche Verifikation binnen 30 Sekunden. Der Leitstellenmitarbeiter entscheidet, nicht der Roboter.
Stufe 4: Die Leitstelle disponiert Polizei oder Interventionsdienst. Der Roboter eskaliert nie selbst an externe Stellen. Diese Trennung ist haftungsrechtlich zwingend und entspricht den Anforderungen an autonome mobile Serviceroboter nach EN ISO 13482.
Jede der vier Stufen wird vor Go-Live in zwei realen Übungen mit Statisten geprobt. Die Übungen finden zwischen Tag 11 und Tag 13 statt. Wer ohne Übung in den Echtbetrieb geht, erlebt den ersten Fehlalarm um 03:00 Uhr ohne abgestimmte Reaktion.
Wirtschaftlichkeit: Warum Onboarding in Stunden, nicht Wochen zählt
Die Rechnung beginnt beim Vergleichsmaßstab. Ein 24/7-Wachposten kostet je nach Region und Qualifikation zwischen 15.000 und 25.000 Euro monatlich [Quelle einfügen]. Grundlage sind die tariflichen Stundensätze des Manteltarifvertrags und die Beschäftigtenzahlen, die der BDSW als Branchenkennzahlen ausweist.
Der QR-2 ersetzt diesen Posten nicht. Er reduziert die Schichtstärke um eine Person je Schicht. Das ist in der Regel die Streifenfunktion auf dem Außengelände. Bei drei Schichten täglich entspricht das einer Einsparung von 18.000 bis 22.000 Euro monatlich gegenüber der Vollbesetzung.
Bei einer monatlichen OpEx von 3.200 bis 3.800 Euro pro Roboter amortisiert sich die Onboarding-Investition im dritten Betriebsmonat. Die Onboarding-Investition selbst (Installation, Audit, Einrichtung) liegt zwischen 4.500 und 8.000 Euro einmalig.
Jeder Tag Verzögerung kostet rund 500 bis 800 Euro Opportunitätskosten (gemessen am vermiedenen Personalaufwand). Bei vier Wochen Verzögerung sind das 14.000 bis 22.400 Euro, die der Werkleiter dem CFO erklären muss.
Steuerlich ist das Robotics-as-a-Service Modell als OpEx voll abzugsfähig. Es entsteht keine CapEx, keine Aktivierung, keine Abschreibung über fünf Jahre. Diese Struktur ist für die meisten Werksbudgets der entscheidende Vorteil gegenüber einem Kauf.
Go-Live und 90-Tage-Review
Die ersten 14 Tage nach Go-Live laufen als Schattenbetrieb. Der Roboter patrouilliert, der Werkschutz validiert jede Meldung. In dieser Phase werden Fehlalarme dokumentiert, nicht weitergeleitet. Typische Fehlalarmquellen: Wildtiere, Folienbahnen im Wind, reflektierende Pfützen.
Ab Tag 15 läuft der autonome Betrieb mit täglichem Lagebericht an die Werkleitung. Der Bericht enthält Patrouillenkilometer, Detektionen, eskalierte Vorfälle, Verfügbarkeit in Prozent. Die Verfügbarkeit liegt im Normalbetrieb bei 96 bis 98 Prozent (Quelle einfügen), abzüglich Ladezeiten und Wartungsfenster.
Tag 30: Erste strukturierte Anpassung der Routen. Wegpunkte mit hoher Fehlalarmquote werden verlegt oder die Sensorik in diesem Abschnitt rekonfiguriert. Triggerpunkte werden auf Basis realer Vorfalldaten priorisiert.
Tag 90: Strukturierter Review mit definierten KPIs. Anzahl Vorfälle nach Stufe, Fehlalarmquote pro 100 Patrouillenkilometer, Verfügbarkeit, tatsächliche Kosten gegen Plan. Der Review ist Grundlage für die Entscheidung über zusätzliche Einheiten, etwa für den Perimeterschutz im Industriepark bei mehreren Standorten.
Die Konformität mit EN ISO 13482 und der EU-Maschinenverordnung 2023/1230 wird zum Go-Live schriftlich bestätigt. Die Konformitätserklärung ist Teil der Lieferdokumentation und gehört in die Akte der Werkleitung, nicht in den Ordner der IT.
Wer das Onboarding in der hier beschriebenen Taktung durchzieht, hat am Tag 15 einen produktiven Sicherheitsroboter und am Tag 90 belastbare KPI-Daten für den CFO. Wer den Tag 1 mit dem Betriebsrat überspringt, hat am Tag 60 einen Stillstand. Für die Standortprüfung und einen verbindlichen Onboarding-Plan: Standortaudit anfragen.