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Sicherheitsroboter Implementierung: 12-Wochen-Plan

Sicherheitsroboter Implementierung in 12 Wochen: konkreter Projektplan mit Phasen, Kosten, Akzeptanzkriterien und IT-Anforderungen für DACH-Industriebetriebe.

Dr. Raphael Nagel (LL.M.)
Investor & Autor · Founding Partner
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Ein Sicherheitsroboter ersetzt keinen Werkschutz. Er ersetzt den Rundgang. Wer diesen Unterschied im ersten Projektmeeting nicht sauber adressiert, scheitert in Woche 10 am Betriebsrat oder in Woche 11 an der Geschäftsführung. Der folgende Plan beschreibt einen 12-Wochen-Rollout, wie wir ihn in mittelständischen Industriebetrieben in Deutschland, Österreich und der Schweiz tatsächlich abwickeln.

Sicherheitsroboter Implementierung: Was den Projekterfolg entscheidet

Vier Faktoren bestimmen, ob ein Patrouillenroboter nach drei Monaten produktiv läuft oder als teures Pilotgrab endet. Erstens: ein sauberes Perimeter-Mapping mit GPS-Wegpunkten und Soll-Frequenzen. Zweitens: die IT-Anbindung über ein eigenes VLAN mit definierten Schnittstellen zur Leitstelle. Drittens: die Integration in den Schichtplan (wer den Roboter morgens kontrolliert und wer ihn abends in den Streifenmodus schaltet). Viertens: eine schriftliche Eskalationskette mit benannten Empfängern und maximalen Reaktionszeiten.

Der typische Zeitrahmen liegt bei 12 Wochen vom Kickoff bis zum produktiven 24/7-Betrieb mit dem QR-2 für 24/7-Außenbetrieb. Schneller geht es, wenn die WLAN-Infrastruktur bereits steht. Langsamer wird es, wenn die Datenschutz-Folgenabschätzung erst während des Projekts angestoßen wird.

Drei Scheiterungsgründe sehen wir immer wieder. Unklare Verantwortlichkeiten zwischen Sicherheits- und IT-Leitung. Fehlende WLAN-Abdeckung auf der hinteren Zaunlinie. Kein definiertes Alarmprotokoll, wenn die Personenerkennung um 03:47 Uhr eine Bewegung an Tor 4 meldet.

Die Abgrenzung zum klassischen Werkschutz ist entscheidend. Der Roboter übernimmt die wiederholbare Patrouille. Die Interventionskraft bleibt menschlich. Diese Trennung ist auch tarifrechtlich sauber, weil keine Tätigkeit nach §34a GewO durch eine Maschine ersetzt wird, sondern nur der Rundgang als Sensoraufgabe automatisiert wird.

Das Robotics-as-a-Service Modell verlagert das Projektrisiko vom Betreiber zum Anbieter. Keine Hardware-Abschreibung, kein Restwertrisiko, keine Wartungsverträge mit Drittfirmen. Bei Nichterfüllung der SLA endet der Vertrag. Nicht ein 200.000-Euro-Anlagengang.

Phase 1 (Woche 1-2): Standortanalyse und Use-Case-Definition

Die Phase beginnt mit einer Begehung. Ein Quarero-Techniker läuft das Gelände gemeinsam mit dem Sicherheitsleiter und einem Vertreter der Werkleitung ab. Erfasst werden Perimeterlänge in Metern, Bodenbeschaffenheit (Asphalt, Schotter, Verbundpflaster), Steigungen über 8 Prozent, Schwellen über 4 cm, Tore und deren Öffnungszeiten.

Parallel werden die kritischen Punkte kartiert. Zaunlinie mit bekannten Schwachstellen, Materiallager mit Diebstahlhistorie, Ladezonen mit Fremdfahrerverkehr, Mitarbeiterparkplätze außerhalb der Hauptbeleuchtung. Diese Punkte werden später zu Wegpunkten mit erhöhter Verweildauer.

Die Use Cases werden schriftlich definiert. Nachtpatrouille zwischen 22:00 und 06:00. Wochenendabdeckung Freitag 18:00 bis Montag 05:00. Eskalation bei Personenerkennung außerhalb autorisierter Zonen. Ohne diese drei Definitionen lässt sich kein Akzeptanzkatalog formulieren.

Die Sensorklasse folgt dem Einsatzprofil. QR-1 für reine Innenräume mit Logistikflächen. QR-2 für 24/7 Außenbetrieb bei jeder Witterung. QR-3 dort, wo Drohnenrisiko besteht und eine Detektion in der Vertikalen gefordert ist. Die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 regelt die Konformitätsanforderungen für autonome mobile Maschinen wie Sicherheitsroboter. Sie ist in der Vertragsanlage zu referenzieren (EUR-Lex 2023/1230).

Wichtig in dieser Phase: Der Betriebsrat wird spätestens in Woche 2 informiert, nicht später. Die Einbindung erfolgt formell über eine Mitteilung nach §87 BetrVG. Eine technische Einrichtung zur Verhaltens- und Leistungskontrolle kann vorliegen. Wer das verschiebt, verliert in Woche 10 die Produktivsetzung.

Output der Phase: Patrouillenplan mit GPS-Wegpunkten, Soll-Frequenz pro Zone, Use-Case-Liste, Betriebsrat-Eingangsvermerk. Wer ein detailliertes Perimeterschutz-Konzept bereits umgesetzt hat, spart hier rund drei Arbeitstage.

Phase 2 (Woche 3-4): IT-Integration und Netzwerk

Die WLAN-Abdeckung entlang der Patrouillenroute wird mit einem Site-Survey vermessen. Mindestdurchsatz 20 Mbit/s symmetrisch an jedem Wegpunkt, Latenz unter 80 ms zur Leitstelle (Quarero Technische Spezifikation QR-2, Rev. 3). Funklöcher in Materialhallen oder umschlossenen Höfen sind die Regel, nicht die Ausnahme.

Bei nachgewiesenen Funklöchern wird eine LTE/5G-Failover-Karte aktiviert. Das ist kein Schönheitsthema. Ein Roboter, der auf 30 Metern Strecke den Kontakt zur Leitstelle verliert, generiert keinen Alarm, sondern eine Lücke im Patrouillenprotokoll.

Die VLAN-Segmentierung ist nicht verhandelbar. Der Roboter erhält ein eigenes Subnetz ohne Route zur Office-IT. Begründung: NIS-2 Article 21 verlangt eine Trennung kritischer Komponenten von allgemeinen Geschäftsnetzen (BSI-KritisV). Die KritisV definiert zusätzlich Schwellenwerte und Sektoren, für die Schutzmaßnahmen nachweispflichtig sind.

Die Anbindung an die bestehende Leitstelle erfolgt über VMS-Schnittstellen. Milestone XProtect, Genetec Security Center und Qognify sind getestet. Bei abweichenden Systemen wird eine REST-API mit JSON-Payload bereitgestellt. Die Schnittstellenspezifikation ist Vertragsanlage.

Die Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO wird in dieser Phase dokumentiert, nicht später. Personenerkennung gilt als hohes Risiko, weil Bildmaterial verarbeitet wird. Ohne abgeschlossene DSFA gibt es keine IT-Freigabe. Damit verschiebt sich die Lieferung über Woche 5 hinaus.

Phase 3 (Woche 5-6): Lieferung, Inbetriebnahme und Trainingslauf

Die Lieferung erfolgt innerhalb von 48 Stunden nach IT-Freigabe. Aufgebaut werden Ladestation (typisch 3,5 kW, 230 V Drehstrom optional), Notaus-Pilz an gut erreichbarer Position und eine wettergeschützte Servicebox für Ersatzteile.

Die SLAM-Kartierung des Geländes läuft über 48 Stunden im überwachten Modus. Ein Techniker begleitet den Roboter, korrigiert Wegpunkte und markiert temporäre Hindernisse. Nach Abschluss liegt eine 3D-Karte mit Genauigkeit unter 5 cm vor.

Die Einweisung der Pförtner und Schichtleiter dauert zwei Stunden pro Schicht. Bei vier Schichten ergeben sich acht Stunden Schulung. Inhalte: Status-Display lesen, Roboter manuell pausieren, Ladestation prüfen, Alarmweiterleitung kontrollieren. Wer hier spart, generiert in Woche 8 Bedienerfehler statt echte Sicherheitsvorfälle.

Die Eskalationsmatrix wird in dieser Phase finalisiert. Stufe 1 (technische Störung): IT-Service innerhalb 30 Minuten. Stufe 2 (Personenerkennung): Leitstelle innerhalb 90 Sekunden, Interventionskraft vor Ort innerhalb 15 Minuten. Stufe 3 (Perimeterverletzung mit Bestätigung): zusätzlich Polizei nach §34a-konformer Beurteilung durch die Leitstelle.

Der Compliance-Check gegen EN ISO 13482 und die EU-Maschinenverordnung wird schriftlich dokumentiert. EN ISO 13482 ist die einschlägige Sicherheitsnorm für persönliche Pflegeroboter. Sie wird analog für mobile Serviceroboter im gewerblichen Umfeld referenziert (ISO 13482). Die Konformitätserklärung des Herstellers ist Vertragsanlage.

Phase 4 (Woche 7-10): Pilotbetrieb und Optimierung

Vier Wochen Schattenbetrieb laufen parallel zum bisherigen Werkschutz-Rundgang. Der menschliche Streifengänger geht weiter seine Runden. Der Roboter patrouilliert zusätzlich. Beide Datensätze werden verglichen.

Das wöchentliche Review prüft drei Kennzahlen. Fehlalarmrate, Verfügbarkeit, Reaktionszeit Leitstelle. Ziel für die Fehlalarmrate: unter 5 Prozent der Gesamtmeldungen nach Woche 8 (Quarero-Betriebsdaten 2024). Anfangs liegen wir typischerweise bei 12 bis 18 Prozent. Wildwechsel, Plastiktüten im Wind und Spiegelungen auf nassem Asphalt werden als Person interpretiert.

Die Patrouillenzeiten werden an reale Schichtwechsel und Lieferantenfenster angepasst. Wenn das Lebensmittellager montags zwischen 04:30 und 05:15 beliefert wird, fährt der Roboter in diesem Fenster eine andere Route. Sonst summieren sich Fehlalarme durch erwartete Bewegungen.

Das Tuning der Personenerkennung passiert datengetrieben. Schwellenwerte für Distanz (typisch 3 bis 25 Meter), Verweildauer (ab 4 Sekunden statische Position), Uhrzeit (zwischen 22:00 und 05:00 schärfer als tagsüber). Ohne diese Differenzierung ist das System entweder blind oder Alarm-Spam.

Die Einsatzdaten werden für die TCO-Auswertung gegenüber dem Personalansatz erfasst. Patrouillenkilometer pro Monat, Anzahl bestätigter Vorfälle, Reaktionszeiten, Verfügbarkeit. Diese Daten ersetzen in Woche 11 die Diskussion über Bauchgefühle. Eine ausführliche Methodik findet sich im Hybrid-TCO im Industriepark.

Phase 5 (Woche 11-12): Produktivsetzung und Abnahme

Die formale Abnahme erfolgt durch Werkleitung und Betriebsrat nach dem in Phase 1 vereinbarten Akzeptanzkatalog. Geprüft werden Verfügbarkeit, Fehlalarmrate, Reaktionszeit, dokumentierte Eskalationen. Ohne Unterschrift beider Parteien geht das System nicht in Produktion.

Die manuellen Rundgänge werden auf definierte Restbereiche reduziert. Typisch bleiben Bürogebäude, Serverräume und sicherheitskritische Innenbereiche menschlich besetzt. Außenperimeter, Materiallager und Parkplätze übernimmt der Roboter. Diese Aufteilung ist auch arbeitsrechtlich sauber gegenüber dem Manteltarifvertrag.

Das Berichtswesen wird etabliert. Monatlicher Vorfall- und Verfügbarkeitsreport an die Geschäftsführung mit drei Kennzahlen: Verfügbarkeit in Prozent, Anzahl bestätigter Vorfälle, Fehlalarmrate. Der Report ist eine Seite, nicht zehn.

Das Quartals-Review zwischen Quarero-Service und Sicherheitsleiter prüft Vertragsleistung, technische Updates und Anpassungsbedarf. Themen sind Routenänderungen durch Baumaßnahmen, neue Use Cases und Hardware-Tausch bei Verschleiß.

Die Vertragsdokumentation wird für KRITIS-Audits oder NIS-2-Nachweispflichten archiviert. Bundestag-Drucksache 20/9262 zum NIS-2-Umsetzungsgesetz fordert Nachweise zu technischen und organisatorischen Maßnahmen. Servicevertrag, DSFA, Konformitätserklärung und Audit-Protokoll bilden zusammen den Nachweisordner.

Kosten, Rollen und Vertragsstruktur

Ein QR-2 liegt bei 3.500 Euro monatlich im Standard-RaaS-Vertrag. Ein 24/7-Wachposten in DACH kostet 18.000 bis 24.000 Euro monatlich, abhängig von Tarifgebiet und Zuschlagsstruktur (BDSW Zahlen Daten Fakten). Der BDSW dokumentiert Stundenverrechnungssätze und Personalkosten der Branche (BDSW Zahlen Daten Fakten). Eine detaillierte Aufstellung steht im TCO-Vergleich Wachschutz.

Die Mindestvertragslaufzeit beträgt 24 Monate. Keine Einmalinvestition, keine aktivierungspflichtige Anlage, reine OpEx. Das vereinfacht die CFO-Genehmigung und entlastet das Investitionsbudget. Details zur Staffelung stehen im Drei-Stufen-Preismodell.

Der interne Aufwand auf Kundenseite liegt bei ca. 40 Personenstunden über 12 Wochen verteilt (Quarero-Projektdaten 2024). Davon entfallen rund 15 Stunden auf den Sicherheitsleiter, 10 Stunden auf die IT-Leitung, 8 Stunden auf den Betriebsrat und 7 Stunden auf operative Einweisungen.

Die Rollen sind klar zu fixieren. Sicherheitsleiter als Projektleiter mit Entscheidungsmandat. IT-Leiter als technischer Sponsor mit Veto-Recht bei Netzwerkfragen. Werkleitung als Auftraggeber. Betriebsrat früh einbinden, idealerweise mit eigenem Vertreter im Projekt-Jour-Fixe.

Kündigungsklauseln bei SLA-Unterschreitung werden schriftlich fixiert. Bei drei aufeinanderfolgenden Monaten unter 95 Prozent Verfügbarkeit greift das Sonderkündigungsrecht. Diese Klausel schützt den Betreiber und ist Standard im Quarero-Vertrag.

Akzeptanzkriterien und Fehler, die das Projekt kippen

Die Verfügbarkeit des Roboters muss mindestens 97 Prozent pro Monat betragen, gemessen über Patrouillenkilometer geteilt durch Soll-Kilometer (Quarero SLA-Standard, Vertragsanlage A). Ausfallzeiten durch geplante Wartung sind ausgenommen, ungeplante Ausfälle nicht.

Die Reaktionszeit der Leitstelle auf einen bestätigten Alarm liegt unter 90 Sekunden, dokumentiert über drei Monate. Das ist messbar, weil jeder Alarm Zeitstempel auf Versand und Bestätigung trägt. Wer diese 90 Sekunden nicht hält, hat ein Leitstellen-Problem, kein Roboter-Problem.

Die Fehlalarmquote bleibt unter 5 Prozent der Gesamtmeldungen nach der Stabilisierungsphase ab Woche 9. Höhere Quoten führen zu Alarm-Müdigkeit in der Leitstelle und damit zu echten Sicherheitslücken, weil bestätigte Bedrohungen im Rauschen untergehen.

Ein häufiger Fehler ist der Verkauf des Roboters als Ersatz für die Interventionskraft. Er ist Sensor, nicht Eingreifkraft. Wer das nicht sauber kommuniziert, erzeugt Erwartungen, die das System nicht erfüllen kann. Folge: Abnahmeverweigerung in Woche 12.

Der zweite häufige Fehler ist die späte Information des Betriebsrats. Wir haben Projekte gesehen, in denen der Betriebsrat erst in Woche 10 erfuhr, dass eine Einrichtung zur Verhaltenskontrolle installiert wurde. Folge: Stopp der Produktivsetzung, formelles Verfahren nach §87 BetrVG, Verzögerung um sechs bis zwölf Wochen. Diese Eskalation ist vermeidbar durch eine Mitteilung in Woche 2 und einen Betriebsratssitz im Projekt-Jour-Fixe.

Wer den 12-Wochen-Rollout für einen konkreten Standort kalkulieren möchte, kann direkt eine Pilotanfrage stellen. Wir prüfen Perimeter, Netzwerk und Schichtmodell. Innerhalb von zehn Arbeitstagen liegt ein standortspezifischer Projektplan vor.

Übersetzungen

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