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Betriebshandbuch Roboter: Vorlage für Werkleiter

Betriebshandbuch Roboter: Pflichtkapitel, Einsatzparameter und Audit-Vorlage nach EU-Maschinenverordnung 2023/1230 und EN ISO 13482 für KRITIS-Betreiber.

Dr. Raphael Nagel (LL.M.)
Investor & Autor · Founding Partner
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Ein Patrouillenroboter ohne Betriebshandbuch ist im Schadensfall kein Sicherheitsgewinn. Es ist ein Haftungsrisiko. Wer im Werk eine autonome Plattform betreibt, muss die Einsatzgrenzen, Verantwortlichkeiten und Reaktionen schriftlich fixieren. Dieser Beitrag liefert die Kapitelstruktur, die ein Werkleiter direkt als Vorlage übernehmen kann.

Rechtliche Grundlagen für das Betriebshandbuch Roboter

Die rechtliche Grundlage ist eindeutig. Die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 schreibt vollständige Betriebsanleitungen in der Sprache des Einsatzlandes vor. Für autonome mobile Roboter heißt das: Deutsche Fassung am Einsatzort, nicht nur Englisch im Hersteller-PDF.

Hinzu kommt die Produktnorm. EN ISO 13482 definiert Sicherheits- und Dokumentationsanforderungen für persönliche Assistenzroboter. Auch wenn ein Patrouillenroboter keine Person assistiert, übertragen Gutachter die Norm regelmäßig auf bemannte Außenbereiche, in denen der Roboter Personen begegnet. Wer die Norm ignoriert, argumentiert im Streitfall ohne Stützpunkt.

Drittens fordert BetrSichV §12 eine Betriebsanweisung für jedes Arbeitsmittel mit Restrisiko. Ein 80-kg-Außenroboter mit 6 km/h Maximalgeschwindigkeit erfüllt diesen Tatbestand zweifelsfrei. Viertens prüfen Sachversicherer im Schadensfall, ob die Bedienung dokumentiert eingewiesen war. Ohne Unterschrift kein Versicherungsschutz.

Fünftens, und das betrifft Werkleiter in regulierten Sektoren: Bei KRITIS-Anlagen wird das Handbuch Bestandteil des Schutzkonzepts. Der KRITIS-Dachgesetz-Entwurf verpflichtet Betreiber zu dokumentierten Schutzmaßnahmen im All-Gefahren-Ansatz. Die Roboterdokumentation ist Anlage zum Schutzkonzept, nicht separates Dokument.

Nächster Schritt: Prüfen Sie die KRITIS-Anforderungen für Ihre Anlage und ordnen Sie Roboterfunktionen zu.

Pflichtkapitel im Betriebshandbuch Roboter

Ein auditfähiges Handbuch enthält mindestens zwölf nummerierte Kapitel. Die Reihenfolge ist nicht beliebig, sie folgt der Lesepfad eines Prüfers.

  1. Identifikation der Plattform: Seriennummer, Konfigurationsstufe (QR-1, QR-2 oder QR-3), bestücktes Sensorpaket, aktueller Firmware-Stand mit Datum.
  2. Bestimmungsgemäße Verwendung: definierte Patrouillenkorridore, zulässiges Außentemperaturfenster (Standard QR-2: minus 10 bis plus 45 Grad Celsius), maximale Steigung des Geländes, Bodenbeschaffenheit.
  3. Vorhersehbare Fehlanwendung: Personentransport ist ausgeschlossen, Lastziehen verboten, Einsatz außerhalb der Geofence untersagt. Diese Negativliste schützt im Haftungsfall.
  4. Restrisiken: Annäherung an bewegliche Hallentore, Witterungsausfall der Thermalkamera bei Starkregen, Funkschattenzonen in Tiefgaragen oder hinter Stahlfassaden.
  5. Not-Aus-Konzept: physischer Pilztaster am Gerät, Funk-Stopp über Handsender mit definierter Reichweite, Leitstand-Override mit dokumentierter Latenzgrenze.
  6. Wartungsplan: Intervalle für Sensorreinigung (täglich), Akkutausch (Zyklenzahl), LiDAR-Kalibrierung (halbjährlich).
  7. Einsatzparameter (Detailkapitel, siehe nächster Abschnitt).
  8. Schnittstelle zum Schutzkonzept.
  9. Personalqualifikation.
  10. Vorfall- und Wartungsprotokolle.
  11. Versionierung.
  12. Anhänge: Konformitätserklärung, Risikobeurteilung, Schaltpläne.

Diese Struktur deckt EN ISO 13482, EU-Maschinenverordnung und BetrSichV ab. Wer abweicht, sollte die Abweichung begründen.

Einsatzparameter dokumentieren

Kapitel 7 ist das operative Herzstück. Hier scheitern die meisten Betreiber, weil sie sich auf Hersteller-Defaults verlassen.

Der Kartenstand wird mit Versionsnummer und Datum der letzten SLAM-Aktualisierung hinterlegt. Beispiel: Karte v2.4, aktualisiert am 12.09.2025, freigegeben durch den technischen Verantwortlichen. Patrouillenrouten werden als Polygon-Export mit Wegpunkten und Verweildauer abgelegt. Eine Route ohne Verweildauer ist keine Route, sondern eine Fahrt.

Detektionsschwellen werden pro Zone festgehalten. Personenerkennung im Lagerhof Nord: Empfindlichkeitsstufe 3 von 5. Fahrzeugerkennung an der Einfahrt: Stufe 4. Drohnenerkennung über dem Tanklager (nur QR-3 mit LiDAR und Drohnenerkennung): Stufe 5.

Die Eskalationsmatrix bildet ab, welcher Trigger welche Meldung an welche Empfängerrolle erzeugt. Person in Sperrzone zwischen 22 und 06 Uhr: sofortige Meldung an den Leitstandsdisponenten, parallele SMS an den diensthabenden Werkschutzleiter. Tag-/Nachtprofile mit unterschiedlichen Empfindlichkeiten und definierten Sperrzeiten verhindern Fehlalarme bei legitimem Tagverkehr.

Der Übergabepunkt zur Leitstelle gehört in das Handbuch, nicht in eine separate IT-Doku: Protokollformat (zum Beispiel MQTT mit TLS 1.3), Latenzgrenze (Standard 2 Sekunden), Quittierungspflicht innerhalb von 60 Sekunden. Ohne diese drei Werte ist die Schnittstelle nicht prüfbar.

Nächster Schritt: Klären Sie, ob Ihr Einsatzprofil zur QR-2 für 24/7-Außeneinsatz passt oder ob Sie QR-3 benötigen.

Schnittstelle zum Schutzkonzept KRITIS

Bei KRITIS-Pflicht ist das Betriebshandbuch keine Insel. Es verweist auf die Bedrohungsanalyse nach §11 des KRITIS-Dachgesetz-Entwurfs und bildet die Roboterfunktionen als Schutzmaßnahmen ab.

Jede Roboterfunktion wird einer Schutzmaßnahme im All-Gefahren-Ansatz zugeordnet. Thermalkamera-Patrouille: Maßnahme gegen Brandstiftung und unbefugten Zutritt. LiDAR-Perimetererfassung: Maßnahme gegen Eindringen. Akustische Anomalie-Erkennung: Maßnahme gegen Sabotage an Anlagen. Diese Zuordnung dokumentiert, warum der Roboter Teil der Sicherheitsarchitektur ist, nicht Spielerei.

Der Nachweis der Redundanz ist Pflicht. Ein einzelner Roboter ist keine KRITIS-konforme Maßnahme. Die Rückfallebene wird benannt: zweiter Roboter (etwa wechselnde QR-2-Plattformen), stationäre Kamera mit übergreifender Sicht oder physische Wachperson im definierten Reaktionsfenster. Im Handbuch steht, wer die Rückfallebene aktiviert und nach welcher Zeit.

BBK-konforme Meldewege gehören als Anhang ans Handbuch. Das BBK veröffentlicht Meldewege und Vorfallklassifikationen für KRITIS-Betreiber. Diese Vorlagen werden 1:1 übernommen, nicht paraphrasiert.

Die Datenübertragungsstrecke vom Roboter zum Leitstand fällt unter NIS-2 Article 21. Das Handbuch dokumentiert die Verschlüsselung, das Schlüsselmanagement und das Patch-Regime der Funkverbindung getrennt. Wer hier nur "verschlüsselt" schreibt, hat den Audit nicht bestanden.

Nächster Schritt: Lesen Sie die Checkliste KRITIS-Dachgesetz 2026 und gleichen Sie die Punkte mit Ihrem Handbuchentwurf ab.

Personalqualifikation und Einweisung

Drei Rollen werden definiert. Bediener: führt Sichtkontrollen durch, startet und stoppt den Roboter, dokumentiert Schichtübergaben. Leitstandsdisponent: nimmt Alarme entgegen, eskaliert nach Matrix, quittiert Vorfälle. Technischer Verantwortlicher: gibt Karten frei, autorisiert Firmware-Updates, plant Wartung.

Die Erstunterweisung dauert mindestens vier Stunden (Mindestanforderung gemäß DGUV Vorschrift 1 §4). Inhalt: Aufbau und Funktion, Not-Aus, Eskalationsmatrix, Vorfalldokumentation, Restrisiken. Abschluss mit dokumentierter Wissensprüfung, mindestens zehn Fragen, Bestehensgrenze 80 Prozent. Wer die Prüfung nicht besteht, bedient den Roboter nicht.

Die jährliche Wiederholungsunterweisung berücksichtigt den aktuellen Änderungsstand des Handbuchs. Wenn die Patrouillenroute im Februar geändert wurde, ist sie im Mai Prüfungsstoff. Schulungsnachweise enthalten Unterschrift, Datum und Kapitelliste. Eine pauschale "wurde unterwiesen"-Notiz reicht nicht.

Die Vertretungsregelung für Urlaub und Krankheit wird schriftlich festgelegt. Ohne benannten Vertreter mit gültiger Unterweisung ist der Roboter im Urlaub des Hauptbedieners außer Betrieb zu nehmen. Diese Konsequenz steht im Handbuch.

Nächster Schritt: Vergleichen Sie den Personalaufwand mit den Wachschutz-Kosten im Vergleich, um den Business Case sauber abzubilden.

Vorfall- und Wartungsprotokolle

Das Logbuch ist die operative Lebensversicherung des Werkleiters. Jeder Eintrag enthält Datum, Schicht, Ereignis, Reaktion und Folgemaßnahme. Ein Fehlalarm um 03:14 Uhr ohne dokumentierte Reaktion ist im Audit ein Befund.

Die Klassifikation ist vierstufig. Fehlalarm: System hat ausgelöst, Ursache war kein sicherheitsrelevantes Ereignis. Echter Alarm: Person, Fahrzeug oder Anomalie wurde korrekt erkannt. Technische Störung: Sensor, Antrieb oder Funk hat versagt. Wartung: planmäßige oder außerplanmäßige Instandhaltung. Diese vier Kategorien sind die statistische Grundlage für die Quartalsauswertung.

Die Aufbewahrungsfrist beträgt mindestens fünf Jahre (BetrSichV §14), bei KRITIS-Anlagen zehn Jahre (KRITIS-Dachgesetz-Entwurf §21). Digitale Logs werden mit Zeitstempel und Hash gesichert, damit nachträgliche Manipulation auffällt. Papierne Logs werden bei Schichtende vom Disponenten unterschrieben.

Die quartalsweise Auswertung der Fehlalarmquote ist Pflichtinstrument. Liegt die Quote über 5 Prozent der Gesamtereignisse (interner Grenzwert gemäß VdS 3138), werden Schwellen oder Routen angepasst. Die Anpassung wird im Handbuch als Änderung dokumentiert und neu freigegeben.

Die Wartungshistorie enthält jede ausgetauschte Komponente mit Seriennummer und jede Firmware-Version mit Installationsdatum. Bei einem Schadensfall rekonstruiert die Berufsgenossenschaft die Konfiguration zum Vorfallszeitpunkt. Ohne Wartungshistorie gelingt das nicht.

Versionierung und Audit-Bereitschaft

Das Deckblatt trägt den Änderungsindex. Spalten: laufende Nummer, Datum, betroffenes Kapitel, Auslöser der Änderung (Vorfall, Wartung, Update, Audit-Feststellung), Freigeber. Ohne Änderungsindex ist das Handbuch ein Foto, kein Werkzeug.

Die Verteilerliste benennt, wer welche Version besitzt. Werkleiter, technischer Verantwortlicher, Leitstand, Werkschutz, externe Auditoren. Bei einer neuen Version werden die alten Exemplare eingezogen oder im System gesperrt. Parallele Versionen im Umlauf sind die häufigste Ursache für Fehlbedienung.

Die digitale Ablage erfolgt im DMS mit Zugriffsrechten nach Rolle. Eine papierne Notfallkopie liegt im Leitstand für den Fall, dass das IT-Netz ausfällt. Die Notfallkopie wird quartalsweise auf Aktualität geprüft.

Prüffähigkeit entsteht durch ein Inhaltsverzeichnis mit Verweis auf die jeweilige regulatorische Anforderung. Beispiel: Kapitel 5 (Not-Aus) erfüllt EN ISO 13482 Abschnitt 5.7 und BetrSichV §10. Diese Querverweise sparen im Audit Stunden.

Bei Updates der Quarero-Flotte werden automatische Versionshinweise vom Hersteller eingearbeitet. Im Robotics-as-a-Service-Modell ist diese Update-Integration Bestandteil des Service-Levels. Der Werkleiter muss die Hinweise prüfen, freigeben und in den Änderungsindex aufnehmen. Die Verantwortung bleibt beim Betreiber.

Nächster Schritt: Wenn Sie ein bestehendes Handbuch gegen diese Struktur prüfen lassen wollen oder Unterstützung beim Erststellungsprozess für Perimeterschutz für Industrieparks suchen, fordern Sie die Betriebshandbuch-Vorlage im Kontaktformular an.

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