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Robotik TCO 3 Jahre: Vollkostenrechnung für DACH

Robotik TCO 3 Jahre im Direktvergleich: QR-1, QR-2 und QR-3 gegen 24/7-Wachposten nach BDSW-Tarif. Belastbare 36-Monats-Rechnung für Werkleiter.

Dr. Raphael Nagel (LL.M.)
Investor & Autor · Founding Partner
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Robotik TCO 3 Jahre: Warum die 36-Monats-Sicht entscheidet

Sicherheitsbudgets in DACH werden in der Regel über drei Geschäftsjahre geplant. Kürzere Horizonte verzerren jeden Vergleich zwischen Personal und Robotik. Die Anlaufkosten klassischer Wachschutzverträge erscheinen in den ersten Monaten niedriger als die laufende Monatsrate eines Roboters. Erst ab Monat 12 dreht sich das Bild.

Die 24-Monats-Mindestvertragslaufzeit von Quarero RaaS schließt zwölf Monate Anschlussbetrieb mit ein. Damit deckt der Standardvertrag genau den 36-Monats-Rahmen ab, den Controller im Mittelstand und Großkonzerne für Sicherheitsinvestitionen ansetzen. Eine kürzere Vergleichsperiode benachteiligt Robotik strukturell.

Eine belastbare Total-Cost-of-Ownership-Rechnung umfasst mehr als die Monatsrate. Sie deckt Hardware, Software-Updates, Wartung, Konnektivität, Ersatzgerät bei Ausfall, Schulung des Bedienpersonals und Vertragsmanagement ab. Auf der Personalseite gilt Analoges: nicht der Stundenlohn, sondern die Vollkostenposition mit allen Zuschlägen ist die Vergleichsbasis.

Verdeckte Kosten beim klassischen Wachschutz werden in Ausschreibungen häufig unterschätzt. Zuschläge für Nacht, Sonntag, Feiertag sowie Krankheitsvertretung und Fluktuation liegen branchenüblich 18 bis 22 Prozent über dem reinen Grundtarif (BDSW Zahlen, Daten, Fakten). Wer diese Aufschläge nicht einkalkuliert, vergleicht Plan- mit Vollkosten und kommt zu falschen Schlüssen.

Ziel dieses Beitrags ist eine belastbare Vollkostenrechnung für QR-1, QR-2 und QR-3 gegenüber einem 24/7-Wachposten. Alle Zahlen werden als Spannen oder Mittelwerte ausgewiesen. Punktprognosen ohne Annahme verbieten sich in einer TCO-Betrachtung.

Vergleichsbasis: 24/7-Wachposten nach BDSW-Tarif

Ein 24/7-besetzter Posten erfordert 4,2 Vollzeitäquivalente (BDSW Zahlen, Daten, Fakten). Die Größe ergibt sich aus den 8.760 Jahresstunden geteilt durch die tatsächliche Jahresarbeitszeit nach Abzug von Urlaub, Krankheit und gesetzlichen Ruhezeiten. Maßstab ist das Arbeitszeitgesetz. Wer mit 3,5 VZÄ kalkuliert, plant strukturelle Unterdeckung ein.

Stundenverrechnungssätze für qualifiziertes Sicherheitspersonal mit §34a-Sachkundeprüfung liegen 2026 in Deutschland zwischen 28 und 38 Euro netto. Österreich bewegt sich auf vergleichbarem Niveau, die Schweiz deutlich darüber. Die Streuung erklärt sich aus regionalen Tarifen, Qualifikationsstufe und Wettbewerbsintensität. Tarif- und Strukturdaten der Branche dokumentiert der BDSW.

Daraus ergeben sich Monatskosten pro 24/7-Posten in DACH zwischen 15.000 und 25.000 Euro. Der Mittelwert von rund 20.000 Euro ist eine konservative Annahme für die folgende Rechnung. Höhere Qualifikation (Werkschutzmeister, Brandschutzhelfer, Ersthelfer) verschiebt den Wert nach oben. Das gilt ebenso für KRITIS-Anlagen mit verpflichtender Hintergrundprüfung.

Über 36 Monate ergibt das eine Kostenspanne von 540.000 bis 900.000 Euro pro Posten. Diese Spanne enthält ausschließlich Personalkosten. Ausrüstung, Streifenfahrzeug, Funkanlage und Leitstellenanbindung kommen hinzu. Diese Positionen belaufen sich erfahrungsgemäß auf weitere 8.000 bis 15.000 Euro pro Jahr.

Diese Zahlen sind die Referenzlinie für jede Robotik-TCO-Betrachtung. Wer von einem niedrigeren Vergleichswert ausgeht, übersieht entweder die VZÄ-Rechnung oder die Zuschläge. Der detaillierte Wachschutz-Kostenvergleich im Detail listet die Einzelpositionen mit Tarifquellen.

QR-1, QR-2, QR-3: Monatsrate und enthaltene Leistungen

QR-1 deckt bei 3.200 Euro pro Monat Innenräume und leichte Außenbereiche ab. RGB-Kamera, Audioanalyse und akustische Anomalieerkennung sind enthalten. Typische Einsatzfelder sind Lagerhallen, Verwaltungsgebäude und Logistikzonen ohne durchgehende Schlechtwetterexposition.

QR-2 ist mit 3.500 Euro pro Monat die Standardlösung für 24/7-Außenperimeter. Wärmebildkamera, Personendetektion bei Nacht und IP-Schutzklasse für Dauerbetrieb im Freien sind Bestandteil. Die Konfiguration eignet sich für Industrieareale, Speditionshöfe und mittelgroße Werksgelände. Details zum QR-2 für 24/7-Außenperimeter liegen in der Produktdokumentation.

QR-3 ergänzt bei 3.800 Euro pro Monat LiDAR-Sensorik und Drohnendetektion. Die Konfiguration zielt auf KRITIS-Anlagen nach KRITIS-Dachgesetz, auf Umspannwerke, Wasserwerke und Rechenzentren mit erhöhtem Schutzbedarf. Der QR-3 mit LiDAR und Drohnendetektion erfüllt zusätzlich die Anforderungen an Erfassung kleiner Flugobjekte unterhalb der Radarschwelle.

Im Preis aller drei Stufen enthalten: Hardware, Software-Updates, OTA-Patches, präventive Wartung nach Wartungsplan, Ersatzgerät innerhalb 48 Stunden bei Totalausfall, Schulung des Bedienpersonals. Diese Leistungen werden im Drei-Stufen-Preismodell transparent ausgewiesen.

Nicht enthalten sind bauliche Anpassungen an Ladestationen (typisch 2.000 bis 6.000 Euro einmalig), lokale Mobilfunk-SIM bei Sonderanforderungen sowie die Anbindung an kundeneigene Leitstellen jenseits der Standardschnittstellen. Diese Positionen sollten im Business Case separat angesetzt werden.

36-Monats-Rechnung im Direktvergleich

QR-2 über 36 Monate ergibt Gesamtkosten von 126.000 Euro. Es gibt keine Anschaffung, keine Restwertdiskussion am Vertragsende, keine Abschreibung im Anlagevermögen. Die Position erscheint vollständig als Aufwand in der GuV.

Ein 24/7-Wachposten mit dem Mittelwert von 20.000 Euro pro Monat kostet über 36 Monate 720.000 Euro reine Personalkosten. Nebenkosten für Ausrüstung, Fahrzeug und Leitstelle treiben den Wert weiter nach oben. Die Differenz pro Posten zur QR-2-Lösung beträgt rund 594.000 Euro über drei Jahre.

Die Rechnung gilt allerdings nur, wenn der Roboter die Funktion des Wachpostens vollständig abdeckt. Das ist bei Detektion, Patrouille und Meldung der Fall. Bei physischer Intervention liegt die Grenze. Für die meisten Außenperimeter ist das handhabbar, weil Intervention ohnehin durch Interventionsdienst oder Polizei erfolgt.

Eine realistische Hybridkonfiguration für mittlere Industrieareale sieht zwei QR-2 plus reduzierte Tagespräsenz vor. Drei 24/7-Posten entfallen. Die Robotik übernimmt Nacht- und Wochenenddienst, das Personal konzentriert sich auf Empfang, Zugangskontrolle und tagsüber stattfindende Tätigkeiten mit physischem Kontakt.

Der Break-even gegenüber einem einzelnen Wachposten ist bereits im ersten Quartal erreicht. Es fällt keine Anlaufinvestition an, die abgeschrieben werden müsste. Ab Tag eins läuft die Monatsrate gegen die Personalkosten, und die Differenz fließt in die Liquidität zurück.

Bilanzielle Behandlung: OpEx statt CapEx

Das RaaS-Modell vermeidet die Aktivierung im Anlagevermögen. Damit entfällt die Abschreibungslogik nach Handelsrecht ebenso wie die Diskussion über Nutzungsdauer und Restwert. Das Robotics-as-a-Service Modell ist bilanziell als Bezug einer Sicherheitsdienstleistung zu behandeln.

Monatliche Raten gehen vollständig in die GuV als Aufwand ein. Je nach Kontenrahmen erscheinen sie unter Fremdleistungen oder sonstigen betrieblichen Aufwendungen. Eine periodengerechte Abgrenzung ist nicht erforderlich, da die Leistung im Monat der Rechnungsstellung erbracht wird.

Für Konzerne ergibt sich daraus ein klarer Vorteil: keine Bindung von Investitionsbudgets, keine Genehmigungsschleife durch das Investment Committee. Sicherheitsausgaben bleiben in der operativen Verantwortung des Werkleiters und müssen nicht über die CapEx-Planung beantragt werden.

Für den Mittelstand bedeutet das planbare Liquidität ohne Finanzierungsbedarf. Es gibt keinen Leasinggeber, keine Sicherungsübereignung, keine Kreditlinie, die belastet wird. Die Bonität des Unternehmens bleibt unberührt von der Sicherheitsentscheidung.

Die steuerliche Behandlung sollte mit dem Wirtschaftsprüfer abgestimmt werden (Grundlage: §§ 4, 6 EStG sowie BMF-Schreiben zu Miet- und Leasingverträgen). Die Standardauslegung folgt Mietverträgen für Sicherheitstechnik und ist als Betriebsausgabe sofort abzugsfähig. Bei grenzüberschreitenden Konstellationen, etwa Konzernverrechnung zwischen der Schweiz und Deutschland, sind die jeweiligen Verrechnungspreisregeln zu prüfen.

Skalierungseffekte bei mehreren Standorten

Bei drei oder mehr Standorten lohnt eine zentrale Leitstelle. Sie überwacht mehrere Roboter gleichzeitig, statt jeweils lokal Personal vorzuhalten. Die Konsolidierung der Überwachungsfunktion ist der eigentliche wirtschaftliche Hebel im Multi-Site-Betrieb.

Die Grenzkosten je zusätzlichem Roboter sinken nicht durch Mengenrabatt. Sie sinken, weil ein Operator mehrere Standorte parallel betreut und die Leitstellenkapazität geteilt wird. Personalkosten dagegen skalieren linear: jeder zusätzliche 24/7-Posten kostet vollen Tarif plus Zuschläge.

Beispielrechnung für einen Industriepark mit fünf Toren: Fünf QR-2 ergeben über 36 Monate Robotikkosten von 630.000 Euro. Fünf 24/7-Posten zum Mittelwert ergeben 3.600.000 Euro Personalkosten. Die Einsparung über drei Jahre beträgt rund 2,97 Millionen Euro. Eine vergleichbare Konfiguration beschreibt die Fallstudie zur hybriden TCO im Industriepark.

Voraussetzung für diese Skalierung ist eine belastbare Netzanbindung an jedem Standort. LTE-Backup oder redundante Glasfaser sind Pflicht, nicht Kür. Eskalationsprozesse zur lokalen Polizei oder zum Interventionsdienst müssen vor Inbetriebnahme schriftlich fixiert sein.

Die Rechnung gilt unter der Annahme, dass an jedem Standort tatsächlich ein 24/7-Posten substituiert wird. Bei reduzierter Anforderung (etwa nur Nacht- und Wochenenddienst) verschiebt sich das Verhältnis, bleibt aber zugunsten der Robotik. Die Substitution muss standortindividuell modelliert werden.

Risiken und Grenzen der Robotik-TCO-Rechnung

Robotik ersetzt keine physische Intervention. Ein Roboter erkennt, meldet und dokumentiert, er greift nicht. Ein Interventionsvertrag mit Schlüsseldienst oder Sicherheitsunternehmen bleibt notwendig. Die typischen Kosten liegen bei 200 bis 600 Euro pro Monat je Standort als Bereitstellung, plus Einsatzpauschalen (Richtwert auf Basis branchenüblicher Interventionsverträge; standortindividuelle Angebote einholen).

Bei extremen Witterungsbedingungen kann die Patrouillenleistung eingeschränkt sein. Starker Schneefall, dichter Eisregen oder Sturm jenseits der IP-Schutzklasse setzen Grenzen. Der Vertrag muss für diese Fälle einen Eskalationspfad zu menschlicher Patrouille vorsehen. Die Häufigkeit solcher Ereignisse liegt in DACH bei wenigen Tagen pro Jahr.

Versicherungsfragen sollten vor Vertragsschluss geklärt werden. KRITIS-Anlagen unterliegen besonderen Anforderungen aus dem KRITIS-Dachgesetz (Bundestag-Drucksache 20/9262). Die Sicherheitsanforderungen an autonome Service-Roboter regelt EN ISO 13482. Der rechtliche Rahmen für mobile Maschinen ergibt sich aus der EU-Maschinenverordnung 2023/1230.

Akzeptanz im Betriebsrat ist kein juristisches, aber ein operatives Risiko. §87 BetrVG begründet Mitbestimmung bei technischen Einrichtungen zur Verhaltens- und Leistungskontrolle (§87 BetrVG auf gesetze-im-internet.de). Frühzeitige Einbindung verkürzt die Einführungszeit erheblich. Eine Betriebsvereinbarung mit klaren Grenzen der Bildauswertung ist Standard.

Die TCO-Rechnung gilt für stabilen Dauerbetrieb. Einmalige Großveranstaltungen, temporäre Baustellen oder Umzüge erfordern weiterhin Personal. Wer den Wegfall jedes einzelnen Wachpostens einplant, plant zu optimistisch. Eine Restbasis von 10 bis 20 Prozent Personalpräsenz für nicht automatisierbare Tätigkeiten ist realistisch.

Vorgehen für die eigene Business-Case-Rechnung

Schritt 1: Bestandsaufnahme aller besetzten Posten mit tatsächlichen Kosten der letzten zwölf Monate. Plandaten unterschätzen Krankheitsvertretung, Überstunden und Fluktuationsaufwand systematisch. Die Quelle ist die Kostenstellenrechnung, nicht der Personalplan.

Schritt 2: Klassifikation der Posten nach Notwendigkeit physischer Präsenz versus Detektions- und Meldefunktion. Empfangsposten mit Besucherregistrierung sind nicht ersetzbar. Außenpatrouille zur Nacht- und Wochenenddetektion ist es. Die Klassifikation bestimmt, welcher Anteil der Personalkosten im Substitutionsumfang liegt.

Schritt 3: Definition der Zielkonfiguration. Diese besteht aus Robotern, reduzierter Personalpräsenz und Interventionsdienst. Die Konfiguration wird je Standort modelliert, nicht pauschal über das Unternehmen. Unterschiedliche Risikoprofile rechtfertigen unterschiedliche Robotermodelle.

Schritt 4: Pilotbetrieb über 60 bis 90 Tage mit klar definierten KPIs. Detektionsrate (echte Ereignisse vs. erkannte), Verfügbarkeit (Patrouillenzeit ohne Ausfall) und Fehlalarmquote sind die drei Kerngrößen. Ohne diese Messung bleibt die Wirtschaftlichkeitsrechnung Theorie.

Schritt 5: Rollout-Entscheidung auf Basis verifizierter Pilotdaten. Herstellerprognosen ersetzen keine eigene Messung. Bestätigt der Pilot die Annahmen, skaliert der Rollout in vorhersehbaren Schritten. Bestätigt er sie nicht, folgt die Konfigurationsanpassung, kein Projektabbruch.

Wer eine eigene 36-Monats-Rechnung für den eigenen Standort erstellen will, findet im Wachschutz-Kostenvergleich im Detail die Eingabegrößen und kann über die Pilotanfrage für den eigenen Standort die Messphase aufsetzen.

Übersetzungen

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